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9.454 CPV-Codes nach EU-Verordnung: von Hauptkategorien bis Unterkategorien.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026

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Was CPV-Codes leisten sollten

IT-LV arbeitet täglich mit IT-Ausschreibungen aus ganz Deutschland und kennt die Frustration aus beiden Perspektiven: Bieter, die relevante Aufträge nicht finden, weil sie unter dem falschen Code veröffentlicht wurden, und Auftraggeber, die auf wenige Angebote hoffen und sich fragen, warum kein spezialisierter Anbieter geboten hat. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick auf den Ursprung des Systems.

CPV steht für „Common Procurement Vocabulary", das einheitliche Vokabular für öffentliches Auftragswesen der Europäischen Union. Die Idee entstand in den 1990er Jahren aus einem echten Problem: Öffentliche Auftraggeber in den damaligen 15 EU-Mitgliedstaaten veröffentlichten Ausschreibungen in ihrer Landessprache. Für Bieter aus anderen Ländern waren diese Ausschreibungen de facto unsichtbar, weil „Netzwerkinfrastruktur" in jeder Bekanntmachungssprache anders heißt: Netzwerk auf Deutsch, réseau auf Französisch, verkko auf Finnisch, δίκτυο auf Griechisch.1

Die Lösung war elegant: ein sprachunabhängiger achtstelliger Zahlencode, der den Auftragsgegenstand unabhängig von der Bekanntmachungssprache klassifiziert. Die erste Fassung erschien 1996 als Empfehlung der EU-Kommission. Verbindlich wurde er mit der Vergaberichtlinie 2004/18/EG. Der heute gültige Katalog basiert auf der Verordnung (EG) Nr. 213/2008, in Kraft seit September 2008, mit 9.454 Codes in 45 Hauptkategorien.1 Die Grundidee war überzeugend, und sie war es.

Der Aufbau ist hierarchisch: Die ersten zwei Ziffern bezeichnen die Abteilung (z. B. 72 für IT-Dienstleistungen), Stelle 3–4 die Gruppe, Stelle 5–6 die Klasse, Stelle 7–8 die Kategorie, plus Prüfziffer nach Modulo-97. Je weiter rechts die signifikante Ziffer, desto spezifischer: 72000000 steht für „IT-Dienstleistungen allgemein", 72212321 für „Software für die Verwaltung von Einrichtungen".

Wo das System in der Praxis scheitert

Der CPV-Katalog wurde 2008 zuletzt grundlegend überarbeitet und seitdem nicht mehr erweitert. Das war zu einem Zeitpunkt, als Cloud Computing, SaaS oder Managed Security Services noch keine eigenständigen Beschaffungskategorien waren. In der täglichen Praxis zeigt sich: Viele moderne IT-Leistungen lassen sich nur unscharf einordnen, weil passende Unterkategorien fehlen. Wer heute einen Managed SOC ausschreiben will, findet dafür keinen eigenen Code.

Das zweite, gravierendere Problem: Niemand prüft, ob die verwendeten Codes korrekt sind. In der europäischen Ausschreibungsdatenbank TED werden monatlich über 30.000 neue Bekanntmachungen veröffentlicht, die Plausibilität der gewählten Codes bleibt dabei unkontrolliert. Dieses Problem ist in der Vergabe-Community seit Jahren als bekannte Schwachstelle dokumentiert.3 Selbst EU-Institutionen codieren regelmäßig falsch: Die Europäische Investitionsbank verwendete Code 85111400 (Krankenhaus-Rehabilitationsmittel) für Überwachungsleistungen bei Krankenhaussanierungen, das Europäische Parlament wählte 90000000 (Abfallwirtschaft) für Umweltberatungsleistungen.

Ab dem 15. Januar 2020 wurden zumindest grobe Fehlklassifizierungen technisch eingedämmt: Neue Pflichten schreiben vor, aus welcher Abteilung der Haupt-CPV-Code je nach Auftragstyp stammen muss. Lieferleistungen müssen aus Abteilung 0–44 oder 48 kommen, Bauarbeiten aus 45, Dienstleistungen aus 49–98. Falsche Zuordnungen führen zur automatischen Ablehnung durch die TED-Schnittstelle.4 Was nicht besser wurde: die inhaltliche Präzision innerhalb der richtigen Abteilung.

CPV im Zeitverlauf

1996

Erste CPV-Empfehlung der EU-Kommission. Ziel: sprachunabhängige Klassifikation von Ausschreibungen im europäischen Binnenmarkt.

2004

CPV wird verbindlich mit der EU-Vergaberichtlinie 2004/18/EG. Ab jetzt müssen alle EU-weiten Bekanntmachungen einen CPV-Code enthalten.

2008

Letzte große Katalogrevision: Verordnung (EG) Nr. 213/2008 bringt den heute noch gültigen Katalog mit 9.454 Codes. Seitdem keine inhaltlichen Erweiterungen.

2014

Vergaberichtlinie 2014/24/EU ersetzt 2004/18/EG. Der CPV-Katalog selbst bleibt unverändert, obwohl Cloud und SaaS längst Beschaffungsrealität sind.

2020

Neue Zuordnungspflicht ab 15. Januar 2020: Der Haupt-CPV muss je nach Auftragstyp aus der richtigen Abteilung stammen. Falsche Zuordnung führt zur automatischen Ablehnung in TED. Erste systemische Validierung, aber nur auf Abteilungsebene.4

2023

eForms werden Pflicht (Verordnung EU 2019/1780): Bekanntmachungen müssen in strukturierten, maschinenlesbaren Formaten veröffentlicht werden. Erster ernsthafter Schritt weg vom reinen Code-System hin zu strukturierten Daten.5

Heute

KI-gestützte Systeme können Ausschreibungsunterlagen heute bereits präziser klassifizieren als ein 17 Jahre alter Katalog. CPV-Codes werden in dieser Dekade zum optionalen Prüffeld, das Systeme automatisch aus dem Volltext ableiten. Nicht ob, sondern wann. IT-LV arbeitet schon daran.

Einschätzung: Warum CPV-Codes (bald) nicht mehr gebraucht werden

Das ist keine Kritik an der EU-Kommission, sondern eine Beobachtung aus täglich gelebter Praxis: Das ursprüngliche Problem, das CPV lösen sollte, lösen Volltextindexierung und semantische Suche heute zuverlässiger. Wer alle Ausschreibungsunterlagen analysiert, Leistungsbeschreibung, Eignungskriterien, Zuschlagskriterien, findet relevante Aufträge unabhängig davon, ob der Auftraggeber den richtigen Code gewählt hat. Genau deshalb hat IT-LV das Vergabe-Archiv auf vollständiger Dokumentenanalyse aufgebaut und nicht auf Metadaten-Filterung.

eForms zeigt, dass die EU selbst erkennt, wohin die Reise geht: weg vom Freiformtext, hin zu strukturierten, maschinenlesbaren Daten. Was logisch darauf folgt, ist ein System, das den Auftragsgegenstand direkt aus der Leistungsbeschreibung ableitet. KI-gestützte Klassifikation kann das heute bereits. Ein händisch gewählter Code aus einem 17 Jahre alten Katalog ist dabei bestenfalls redundant, schlimmstenfalls irreführend.

Prognose: CPV-Codes werden in dieser Dekade zum optionalen Prüffeld, das Systeme automatisch aus dem Volltext befüllen und verifizieren. IT-LV arbeitet schon daran. Die Smarte Suche oben gleicht Freitextbeschreibungen mit über 180.000 Synonymen ab und findet passende Codes auch dann, wenn weder der Nutzer noch der Auftraggeber den richtigen Code kennt.

Vergabe-Archiv: Ausschreibungen nach Volltext finden

IT-LV analysiert vollständige Ausschreibungsunterlagen, nicht nur CPV-Metadaten. Finden Sie relevante IT-Aufträge, auch wenn sie falsch codiert wurden.

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