NIS2 · KRITIS · BSI IT-Grundschutz OPS.1.1.4

Endpoint Security: Von AV zu EDR und XDR

Warum signaturbasierter Virenschutz gegen moderne Angriffe nicht ausreicht, welche Technologien den öffentlichen Sektor heute schützen und wie Vergabestellen EPP, EDR und XDR vergaberechtskonform ausschreiben.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026


Warum klassisches AV nicht mehr schützt

Klassischer Virenschutz arbeitet signaturbasiert: Er vergleicht Dateien und Prozesse mit einer Datenbank bekannter Schadsoftware-Muster. Trifft ein bekannter Hash oder eine bekannte Bytekombination ein, wird geblockt. Dieses Prinzip funktionierte, als Angreifer ihre Werkzeuge selten veränderten und Schadsoftware in großer Stückzahl identisch verbreitet wurde.

Beides gilt heute nicht mehr. Angreifer nutzen drei Techniken, die signaturbasierte Erkennung systematisch umgehen:

Polymorphe Malware und Zero-Days
Schadsoftware wird bei jeder Auslieferung automatisch verändert, sodass kein bekannter Hash entsteht. Zero-Day-Exploits nutzen Schwachstellen, für die noch keine Signatur existiert. Beide Varianten passieren AV-Scanner ungehindert.
Living-off-the-Land (LOLBas)
Angreifer verzichten auf eigene Schadsoftware und nutzen legitime Systemwerkzeuge: PowerShell, WMI, PsExec, certutil. Diese Werkzeuge sind im Betriebssystem vorhanden und werden von AV nicht blockiert, selbst wenn ein Angreifer sie zur Datenexfiltration missbraucht.
Fileless-Angriffe und Speicher-Exploits
Schadsoftware wird nicht als Datei auf der Festplatte abgelegt, sondern direkt im Arbeitsspeicher ausgeführt. Signaturbasierte Scanner, die Dateisystem-Inhalte prüfen, haben keine Angriffsfläche zur Erkennung.

Der BSI IT-Grundschutz fordert in OPS.1.1.4 ausdrücklich einen "angemessenen Schutz vor Schadprogrammen". Was angemessen bedeutet, konkretisiert das BSI in seinen KRITIS-Prüfungen: Reine AV-Installationen gelten dort nicht als hinreichende Maßnahme. Gleiches gilt für NIS2-Pflichten, die für erheblich mehr Organisationen greifen als die bisherigen KRITIS-Schwellenwerte.

Wir beobachten in Projekten, die wir begleiten, regelmäßig eine Fehleinschätzung: Behörden und Betreiber werten aus, dass ihr AV "noch nie angeschlagen" hat, und schließen daraus, dass kein Angriffsversuch stattgefunden hat. Das ist der falsche Schluss. Kein Alarm kann bedeuten, dass kein Angriff stattfand, oder dass der Angriff die Erkennung schlicht umgangen hat. EDR schafft die Sichtbarkeit, die AV fehlt.

Begriffe: EPP, EDR, XDR, MDR

Die Endpoint-Security-Branche produziert Akronyme schneller als Vergabestellen sie verarbeiten können. Das ist kein Zufall: Hersteller differenzieren ihre Produkte durch Begriffe, nicht immer durch Funktionen. Wer ein Leistungsverzeichnis schreibt, muss diese Begriffe exakt definieren, sonst sind Angebote nicht vergleichbar.

TechnologieAnsatzBlinder Fleck
AVSignaturvergleich bekannter Schadsoftware-Hashes. Geringe Ressourcenlast, schnell zu deployen.Zero-Days, polymorphe Malware, Fileless-Angriffe, LOLBas
NGAVNext-Generation AV: ML-basierte statische Analyse + Verhaltensüberwachung zur Laufzeit. Kein reiner Signaturvergleich.Forensik, Threat Hunting und nachträgliche Untersuchung fehlen. Kein Response-Modul.
EPPEndpoint Protection Platform: Kombination aus NGAV + grundlegendem EDR in einem Produkt. Marktstandard für die meisten kommerziellen Lösungen.Tiefe Forensik und proaktives Threat Hunting variieren stark je Hersteller.
EDREndpoint Detection and Response: Kontinuierliches Monitoring aller Endpoint-Aktivitäten, Forensik, automatisierter Response, Threat Hunting. Setzt auf Prävention auf.Sichtbarkeit begrenzt auf verwaltete Endpunkte. Netzwerk, Cloud und Identitätsquellen fehlen ohne Erweiterung.
XDRExtended Detection and Response: Korreliert Daten aus Endpunkten, Netzwerk, Cloud, E-Mail und Identitätsquellen in einer zentralen Plattform. Erkennt Angriffsketten über mehrere Systeme.Höherer Integrations- und Konfigurationsaufwand. Hersteller-natives XDR kann Vendor-Lock-in erzeugen.
MDRManaged Detection and Response: Ein Anbieter übernimmt 24/7-Monitoring, Incident Response und Threat Hunting, aber ausschließlich auf seiner eigenen Plattform. CrowdStrike MDR überwacht nur CrowdStrike Falcon, Microsoft Defender MDR nur den Microsoft-Stack.Herstellergebunden: Plattform und Betrieb sind untrennbar verknüpft. Wer den MDR-Anbieter wechselt, muss gleichzeitig das EDR-Produkt austauschen.

Drei Erkennungsmethoden: warum EDR mehr kann

NGAV und EDR unterscheiden sich nicht nur im Namen, sondern fundamental in der Analysetiefe. Drei Methoden bestimmen, was eine Lösung erkennen kann und was nicht:

Statische Analyse Dynamische Analyse Verhaltensanalyse
Ansatz Dateiprüfung vor Ausführung: Vergleich mit Signatur-/Hash-Datenbank Ausführung in Sandbox: Beobachtung des Verhaltens in kontrollierter Umgebung Laufendes Monitoring auf dem Host: Prozesse, Registry-Änderungen, Netzwerkverbindungen, Syscalls
Erkennt Bekannte Hashes, IP-Adressen, Signaturen, Code-Snippets File-Änderungen, Registry-Schreibvorgänge, Memory-Zugriffe CLI-Befehle, Process Spawning, User Actions, Syscall-Ketten
Umgehbar durch Polymorphismus, Verschlüsselung, Obfuskation Sandbox-Erkennung (CPU-Checks, Delays), Ausführungsverzögerung DLL Unhooking, direkte Syscalls (kein Hook), LOLBas-Missbrauch
Abgedeckt von NGAV: Statisch + Dynamisch EDR: alle drei Methoden
Fazit: Eine reine NGAV-Lösung entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Cyber-Versicherungen und BSI KRITIS-Prüfungen setzen EDR-Fähigkeiten voraus. OPS.1.1.4 fordert explizit verhaltensbasierte Erkennung, die NGAV allein nicht liefert.
MDR vs. SOC: der entscheidende Unterschied
MDR: Plattform und Betrieb als Bundle
Anbieter liefert EDR-Produkt und Monitoring aus einer Hand. Vorteil: schnell einsatzbereit. Nachteil: Tool-Wahl und Betrieb sind untrennbar. Wer CrowdStrike MDR bucht, überwacht ausschließlich CrowdStrike Falcon, kein Microsoft Sentinel, kein Splunk.
SOC: freie Tool-Kombination
Ein SOC, intern oder als neutraler Dienstleister, kombiniert Werkzeuge unabhängig vom Hersteller: Microsoft Sentinel als SIEM, CrowdStrike Falcon als EDR, Netzwerk-Telemetrie aus eigener Quelle. Jede Komponente kann separat ausgetauscht werden.
Für KRITIS-Umgebungen empfehlen wir entweder einen herstellerneutralen SOC-Ansatz oder eine vertragliche Exit-Klausel, die sicherstellt, dass Detektionsregeln und Playbooks beim Auftraggeber verbleiben, wenn der MDR-Anbieter gewechselt wird.

Wir sehen in Ausschreibungsunterlagen, die wir prüfen, regelmäßig EDR und NGAV synonym verwendet. Ein Bieter, der ein NGAV-Produkt ohne echtes EDR-Modul anbietet, kann diese Anforderung trotzdem als erfüllt markieren, wenn das LV die Begriffe nicht präzise definiert. Konkrete Funktionsanforderungen statt Produktkategorien vermeiden dieses Problem.

Von AV zu XDR: 30 Jahre Endpoint Security

Jede Generation war eine Antwort auf neue Angriffsmethoden. Wer den Entwicklungspfad versteht, trifft bei der Ausschreibung die richtige Entscheidung.

1990er
AV
Antivirus
Signatur Hash-Vergleich
Nur bekannte Bedrohungen erkennbar.
✗ Versagt bei Zero-Days
2000er – 2010er
NGAV
Next Generation Antivirus
ML-Analyse Sandbox
Erkennt Malware auch ohne Signatur.
✗ Keine Forensik, kein Response
2013 – heute
EDR
Endpoint Detection & Response
Forensik Threat Hunting
Kontinuierliches Monitoring, Forensik und automatisierte Response.
✗ Blind für Netzwerk und Cloud
2019 – heute
XDR
Extended Detection & Response
Endpoint + Cloud Multi-Source
Korreliert Netzwerk, Cloud, Identity und Endpunkt in einer Engine.
✓ Marktstandard 2025

EPP = NGAV + EDR in einem Produkt. Die meisten modernen Endpoint-Produkte (z.B. Microsoft Defender, CrowdStrike Falcon) sind heute EPP-Lösungen: sie kombinieren präventiven Schutz (NGAV) mit aktiver Erkennung und Response (EDR). EPP ist damit der Überbegriff für die komplette Endpunktschutz-Plattform.

Erkennungslücken und Angriffstechniken

Das MITRE ATT&CK-Framework katalogisiert reale Angriffstechniken, die staatliche und kriminelle Akteure in der Praxis einsetzen. Die jährlich durchgeführten MITRE ATT&CK Evaluations testen Endpoint-Security-Produkte gegen genau diese Techniken, ohne Vorankündigung der Testsequenz und ohne Anpassung der Produktkonfiguration während des Tests.

In der MITRE-Evaluation Enterprise 2025 (ER7, Dezember 2025) wurden Angriffsmuster der Gruppen Scattered Spider und Mustang Panda simuliert. Beide Gruppen verwenden Techniken, die klassisches AV nicht erkennt:

MITRE-Technik ID AV-Erkennbarkeit EDR-Erkennbarkeit
Credential Dumping (LSASS)T1003GeringHoch
Lateral Movement via SMB/RDPT1021GeringHoch
PowerShell-Ausführung (LOLBas)T1059Sehr geringHoch
Process InjectionT1055GeringHoch
Datenexfiltration via Cloud-DiensteT1567KeineMittel (XDR besser)

Die MITRE-Evaluation Enterprise 2025 (ER7) zeigte: Führende Anbieter wie CrowdStrike und Cynet erreichten 100 % Detection Visibility ohne False Positives, erstmals auch bei cloud-basierten Angriffsvektoren (Scattered Spider). Das ist kein Marketing, sondern ein öffentlich zugänglicher, methodisch definierter Test, auf den Vergabestellen im Leistungsverzeichnis direkt Bezug nehmen können.

Konsequenz für das Leistungsverzeichnis

Statt "EDR-Lösung liefern" formulieren: "Der Auftragnehmer weist nach, dass die eingesetzte Lösung in der jeweils aktuellen MITRE ATT&CK Evaluation mindestens 90 Prozent der getesteten Techniken ohne False Positive erkannt hat." Diese Anforderung ist produktneutral, messbar und lässt Wettbewerb zu.

Wir nutzen MITRE-Ergebnisse in Ausschreibungsprojekten als Referenzdokument für die Eignungsprüfung. Der Vorteil: Die Evaluation ist öffentlich, aktuell und von einer unabhängigen Organisation durchgeführt, was vergaberechtliche Anforderungen an Objektivität erfüllt.

Pflichtpositionen im Leistungsverzeichnis

Wer ein Leistungsverzeichnis für Endpoint Security schreibt, muss fünf Bereiche mit konkreten, prüfbaren Anforderungen abdecken. "EDR-Lösung liefern und betreiben" ist keine Leistungsbeschreibung, sondern ein Freifahrtschein für unvergleichbare Angebote und spätere Vertragsstreitigkeiten.

Pflichtbereich 1
Erkennungsleistung

Messbare Anforderungen an die Detektionsqualität, nicht an Produktfunktionen.

  • MITRE ATT&CK-Abdeckung: Mindestquote definieren (z.B. ≥ 90 % in aktueller Evaluation)
  • Mean Time to Detect (MTTD): maximale Erkennungszeit nach Kompromittierung
  • False-Positive-Rate: maximaler Anteil ungültiger Alarme pro Tag
  • Erkennungstiefe: welche MITRE-Taktiken mindestens abgedeckt sein müssen
Pflichtbereich 2
Deployment-Architektur

Technische Grundbedingungen für die Integration in die Bestandsinfrastruktur.

  • Agent-basiert oder agentless: beides mit konkreten Szenarien beschreiben
  • Betriebsmodell: Cloud-native, On-Premises oder Hybrid
  • Betriebssystem-Abdeckung: Windows, Linux, macOS, mobile Systeme
  • Datenhaltung: Telemetriedaten ausschließlich in Deutschland/EU
Pflichtbereich 3
Scope-Definition

Welche Systeme sind abzudecken, einschließlich expliziter Aussagen zu Ausschlüssen.

  • Verwaltete Endpunkte: Laptops, Workstations, Server
  • Nicht verwaltete Endpunkte: Drucker, IoT, OT/ICS/SCADA
  • Cloud-Workloads: VMs, Container, Serverless
  • Mobile Devices: MDM-Schnittstelle oder eigener Agent
Pflichtbereich 4
Service Level und Response

Vertraglich bindende Reaktionszeiten und Eskalationspfade.

  • Verfügbarkeit: 24/7-Monitoring oder Betriebszeiten mit Rufbereitschaft
  • Mean Time to Respond (MTTR): maximale Zeit bis zur Eindämmung
  • Eskalationspfade: wer wird wie benachrichtigt, Meldepflichten §8b BSIG
  • Incident-Response-Umfang: Containment, Eradication, Recovery
Pflichtbereich 5
Datensouveränität und Compliance

Besonders relevant für öffentliche Auftraggeber und KRITIS-Betreiber.

  • BSI C5-Testat des Anbieters oder gleichwertiger Nachweis
  • Datenhaltung ausschließlich in Deutschland oder EU
  • DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung mit AVV
  • Keine Weitergabe von Telemetriedaten an Dritte ohne Einwilligung
  • Exportierbarkeit aller Detektionsregeln und Playbooks
  • Exit-Klausel: vollständige Datenlöschung nach Vertragsende
Fertige Vorlage
Muster-LV EDR und XDR
Vergaberechtskonform formuliert, alle fünf Pflichtbereiche enthalten, sofort einsetzbar.
Muster-LV EDR → Muster-LV XDR →

Bieter objektiv bewerten

Angebotsprüfung und Bieterbewertung in Endpoint-Security-Ausschreibungen scheitern oft daran, dass Vergabestellen keine produktneutralen Prüfmaßstäbe definiert haben. Hersteller liefern eigene Performancedaten, die sich nicht vergleichen lassen. Drei externe Quellen bieten hier objektive Orientierung.

Gartner und Forrester als Orientierung

Gartner Magic Quadrant EPP und Forrester Wave XDR bewerten Anbieter nach Produktfähigkeiten und Marktpositionierung. Sie sind nützlich für die Marktübersicht, dürfen aber nicht als Zuschlagskriterium genutzt werden: Eine Anforderung "Gartner Leaders-Quadrant" würde den Wettbewerb auf wenige Anbieter beschränken und ist vergaberechtlich angreifbar. Stattdessen: die Bewertungsdimensionen aus diesen Berichten als Anforderungsquelle nutzen, nicht die Berichte selbst als Filter.

Marktanalysen 2022–2025
Anbietervergleich: Gartner, Forrester und KuppingerCole
11 Anbieter, 7 unabhängige Bewertungsquellen · Anbieter-Namen auf Anfrage
Bewertungsquelle
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
Gartner Leader 2025
Magic Quadrant Endpoint Protection Platforms, Mai 2025
Forrester Wave XDR 2024
Leader / Strong Performer Q2 2024
Gartner Leader 2023
Magic Quadrant Endpoint Protection Platforms
Gartner Critical Capabilities 2022
EPP Top 5 (Type A/B/C)
Gartner Leader 2022
Magic Quadrant Endpoint Protection Platforms
KuppingerCole Overall Leader 2022
Endpoint Detection and Response (EPDR)
Empirical Assessment, Univ. Piraeus 2022
mind. 3 von 4 Angriffen abgewehrt
Gesamt-Score von 7 Kriterien 7/7 6/7 7/7 4/7 4/7 2/7 4/7 1/7 1/7 0/7 1/7
✓ = Kriterium erfüllt (Leader-Segment oder Top-5-Platzierung) · Quellen: Gartner MQ EPP 2025 (Mai 2025), Gartner MQ EPP 2022/2023, Gartner Critical Capabilities EPP 2022, Forrester Wave XDR Q2 2024, KuppingerCole EPDR 2022, Univ. Piraeus 2022

MITRE ATT&CK Evaluations

Die jährlichen MITRE Evaluations sind das einzige öffentlich zugängliche, standardisierte Testverfahren für EDR/XDR-Produkte. Getestet wird gegen reale Angriffstechniken staatlich gesponserter Gruppen. Alle Ergebnisse sind unter attackevals.mitre-engenuity.org abrufbar. Vergabestellen können im LV fordern, dass Bieter ihr MITRE-Evaluierungsergebnis aus den letzten zwei Jahren vorlegen. Das ist produktneutral, objektiv und vergaberechtlich unbedenklich.

Aktuell 2025
MITRE ATT&CK Enterprise 2025 (ER7): Scattered Spider & Mustang Panda
11 Anbieter im Vergleich · Anbieter-Namen auf Anfrage
Metrik Ideal
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
Scattered Spider: Detections ↑ 62 61 61 62 33 39 21 6 14 0 11 8
Scattered Spider: False Positives ↓ 0 0 0 0 6 0 5 7 0 0 0 2
Mustang Panda: Detections ↑ 28 28 28 28 19 22 12 14 9 23 11 2
Mustang Panda: False Positives ↓ 0 0 0 0 6 2 4 2 1 1 4
T1: Credential Theft, Steps ↓ 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
T2: Identity Providers, Steps ↓ 0
T3: Unmanaged → Managed, Steps ↓ 0 1 2 2 2 3 2
T4: Initial Access Malware, Steps ↓ 0 1 0 11 3 3 1 0 1 3
T5: Malware Exec & Lateral, Steps ↓ 0 0 0 1 0 1 15 0 16 6
↑ höher ist besser (Detection) · ↓ niedriger ist besser (False Positives, Steps until Block) · – = keine Teilnahme · Quelle: MITRE ATT&CK Evaluations Enterprise 2025 (ER7), evals.mitre.org/enterprise/er7 (Dezember 2025)
MITRE 2023 — Turla
Visibility Coverage (Ø aller Kategorien)
CrowdStrike
100%
Palo Alto
100%
Microsoft
99%
SentinelOne
89%
Trend Micro
88%
+ weitere Anbieter
MITRE 2022 — Wizard Spider & Sandworm
Analytic Coverage (Ø)
SentinelOne
99%
CrowdStrike
96%
Cybereason
91%
Palo Alto
90%
Microsoft
71%
+ weitere Anbieter
MITRE 2021 — Carbanak & FIN7
Detections & Protection (Ø)
Palo Alto
107%
SentinelOne
105%
Trend Micro
105%
CrowdStrike
92%
Microsoft
68%
+ weitere Anbieter
MITRE Managed Services 2022 — OilRig
MDR-Anbieter Erkennung (Ø)
Cybereason
99%
Palo Alto
95%
Sophos
85%
SentinelOne
84%
Microsoft
84%
+ weitere Anbieter

Quelle: MITRE ATT&CK Evaluations (Enterprise ER3–ER5 und Managed Services), evals.mitre.org

Betreibermodell-Entscheidung: In-house SOC vs. MDR

Kriterium In-house SOC Managed MDR
Kontrolle über DatenVollständigAbhängig von Vertrag
BetriebskostenHoch (Personal, Tools)Planbar (Festpreis möglich)
Expertenverfügbarkeit 24/7Schwer skalierbarInklusive
HerstellerunabhängigkeitHoch (eigene Tool-Wahl)Variiert: hersteller-nativ vs. neutral
Aufbauzeit6 bis 18 MonateWochen bis Monate
Vendor-Lock-in-RisikoGeringBei hersteller-nativem MDR: hoch

In unseren Angebotsvergleichen gewichten wir MITRE-Ergebnisse, Datensouveränitätsnachweise (BSI C5) und Exit-Klausel-Regelungen typischerweise am stärksten, weil diese Kriterien den langfristigen Betrieb und den Vertragsausstieg direkt betreffen. Produktfunktionen sind sekundär, wenn die Bedingungen für einen Wechsel nach drei Jahren nicht vertraglich geregelt sind.

Typische Fehler bei EP-Ausschreibungen

Endpoint-Security-Ausschreibungen scheitern selten an der Technologiewahl, häufig aber an der Formulierung des Leistungsverzeichnisses. Die fünf Fehler, die wir am häufigsten in Vergabeunterlagen sehen, die uns zur Prüfung vorgelegt werden:

01 Produktname statt Leistungsanforderung

Das LV nennt konkrete Produktnamen wie "CrowdStrike Falcon", "Microsoft Defender for Endpoint" oder "SentinelOne Singularity". Das ist vergaberechtlich problematisch: §31 Abs. 6 VgV verbietet Produktbeschreibungen, die Wettbewerb auf bestimmte Anbieter beschränken, es sei denn, der Auftragsgegenstand lässt sich anders nicht hinreichend beschreiben. Bei Endpoint Security ist das nie der Fall.

Besser: Anforderungen auf Basis messbarer Funktionen formulieren: MITRE ATT&CK-Abdeckung, MTTD, False-Positive-Rate, BSI C5-Testat. Kein Produktname, kein Hersteller im LV.
02 Scope nicht vollständig definiert

Das LV deckt verwaltete Laptops und Server ab, schweigt aber zu OT-Systemen, IoT-Geräten, nicht verwalteten Endpunkten und Cloud-Workloads. Nach Zuschlag stellt sich heraus, dass SCADA-Systeme, medizinische Geräte oder Industriesteuerungen nicht im Scope waren. Diese Lücken sind teuer zu schließen, wenn kein Vertragsrahmen dafür existiert.

Besser: Scope-Tabelle ins LV aufnehmen: je Systemkategorie festlegen, ob sie im Scope, explizit ausgeschlossen oder in Phase 2 zu berücksichtigen ist. Offene Punkte dokumentieren, nicht schweigen.
03 Kein MTTD/MTTR im Vertrag

Ohne vertragliche Mean Time to Detect und Mean Time to Respond gibt es keine Grundlage für Vertragsstrafen oder Eskalationen bei Leistungsunterschreitungen. Anbieter können Alarme beliebig spät bearbeiten, ohne vertraglich in Verzug zu geraten. Bei einem Ransomware-Vorfall, der stundenlang unbemerkt bleibt, fehlt die Handhabe.

Besser: MTTD und MTTR als SLA-Positionen ins LV und den Vertrag aufnehmen, mit definierten Konsequenzen bei Unterschreitung. Gängige Werte: MTTD unter 60 Minuten für kritische Alarme, MTTR unter 4 Stunden für Containment.
04 Datensouveränität nicht gefordert

EDR-Systeme sammeln umfangreiche Telemetriedaten, darunter Prozessdaten, Netzwerkverbindungen und Nutzerverhalten. Werden diese Daten auf US-amerikanischen Cloud-Infrastrukturen gespeichert oder an Hersteller weitergegeben, kann das IT-Sicherheitsrecht und DSGVO verletzen. Besonders bei KRITIS-Betreibern und Behörden ist das ein ernstes Compliance-Risiko.

Besser: BSI C5-Testat oder gleichwertigen Nachweis als Mindestanforderung ins LV aufnehmen. Datenhaltung ausschließlich in Deutschland oder EU fordern. AVV und Löschpflichten nach Vertragsende explizit regeln.
05 Betreibermodell nicht spezifiziert

Das LV fordert "EDR einführen und betreiben", ohne festzulegen, ob 24/7-Monitoring durch den Auftragnehmer, durch den Auftraggeber oder als hybrides Modell erfolgen soll. Anbieter interpretieren das unterschiedlich: ein Anbieter liefert eine Softwarelizenz ohne Betrieb, ein anderer ein vollständiges MDR-Paket. Die Angebote sind nicht vergleichbar, und nach Zuschlag gibt es keinen Vertragsrahmen für den Betrieb.

Besser: Betriebsmodell im LV explizit festlegen: Softwarelizenz und Eigenverantwortung vs. Managed Service mit definierten Service Levels. Beides ist legitim, aber beide Varianten brauchen unterschiedliche LV-Positionen.

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8 Folien · 16:9 · Endpoint Security von AV zu EDR und XDR
Quellen
  1. MITRE Engenuity: "ATT&CK Evaluations: Enterprise 2025 (ER7) — Scattered Spider & Mustang Panda", Dezember 2025, evals.mitre.org.
  2. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: "OPS.1.1.4 Schutz vor Schadprogrammen", IT-Grundschutz-Kompendium Edition 2023, bsi.bund.de.
  3. European Union Agency for Cybersecurity (ENISA): "ENISA Threat Landscape 2024", Oktober 2024, enisa.europa.eu.
  4. Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: "Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2024", bsi.bund.de.
  5. Forrester Research: "The Forrester Wave: Extended Detection and Response Platforms, Q2 2024", Juni 2024, forrester.com.
  6. Gartner: "Magic Quadrant for Endpoint Protection Platforms 2025", Mai 2025, gartner.com.
  7. SecurityWeek: "MITRE Posts Results of 2025 ATT&CK Enterprise Evaluations", Dezember 2025, securityweek.com.

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