Zahlreiche Vergabeplattformen, 16 Bundesländer, Bekanntmachungspflichten auf EU- und nationaler Ebene: Welches Portal wann gilt, wo Auftraggeber veröffentlichen müssen und wo die Grenzen von KI-Werkzeugen liegen.
Die Veröffentlichungspflicht hängt vom Auftragswert ab. Nicht jede Vergabe muss auf jedem Portal erscheinen, aber je nach Schwellenwert und Landesrecht sind bestimmte Wege vorgeschrieben. Ein Verstoß gegen die Veröffentlichungspflicht ist ein schwerwiegender Vergabefehler: Wird ein EU-weit auszuschreibender Auftrag ohne vorherige Bekanntmachung im Amtsblatt der EU vergeben, kann der Vertrag in einem Nachprüfungsverfahren für unwirksam erklärt werden (§ 135 Abs. 1 Nr. 2 GWB).
| Auftragswert (netto) | Verfahren | Veröffentlichung |
|---|---|---|
| ab 216.000 EUR (Bundeskanzleramt und Bundesministerien ab 140.000 EUR) |
EU-weites Vergabeverfahren (GWB, VgV) | Bekanntmachung im Amtsblatt der EU (TED), übermittelt über den Datenservice Öffentlicher Einkauf; nationale Veröffentlichung erst danach (§ 40 Abs. 3 VgV) |
| unter Schwellenwert | Nationale Vergabe (UVgO bzw. Landesrecht) | Internetseite des Auftraggebers oder Internetportal, auffindbar über bund.de (§ 28 Abs. 1 UVgO); viele Länder schreiben ein bestimmtes Portal vor |
| Aufträge des Bundes | Verfahren von Bundesbehörden | Bekanntmachungen erscheinen auf service.bund.de; Abwicklung zum Beispiel über die e-Vergabe des Bundes (evergabe-online.de) |
Praxishinweis: Seit 1. Januar 2026 gelten neue EU-Schwellenwerte (Delegierte Verordnung (EU) 2025/2152). Für Liefer- und Dienstleistungsaufträge öffentlicher Auftraggeber gilt der Schwellenwert von 216.000 EUR (zuvor 221.000 EUR). Das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien wenden den niedrigeren Wert für zentrale Regierungsbehörden an: 140.000 EUR (zuvor 143.000 EUR, § 106 Abs. 2 Nr. 1 GWB). Die EU-Kommission überprüft die Schwellenwerte alle zwei Jahre.
TED (Tenders Electronic Daily) ist die Online-Ausgabe des Supplements zum Amtsblatt der Europäischen Union für öffentliche Aufträge oberhalb der Schwellenwerte. Dort erscheinen nicht die Vergabeunterlagen, sondern die Auftragsbekanntmachung mit den wesentlichen Verfahrensdaten. Sie wird über den Datenservice Öffentlicher Einkauf an das Amt für Veröffentlichungen der EU übermittelt und zusätzlich im Bekanntmachungsservice (oeffentlichevergabe.de) veröffentlicht (§ 10a Abs. 5 VgV). Die Vergabeunterlagen stellen Sie unter einer elektronischen Adresse bereit, die in der Bekanntmachung steht (§ 41 Abs. 1 VgV). Fehlt die vorgeschriebene EU-Bekanntmachung, kann der Vertrag unwirksam sein (§ 135 Abs. 1 Nr. 2 GWB).
Auf service.bund.de stellen Auftraggeber von Bund, Ländern und Kommunen ihre Bekanntmachungen direkt ein; zusätzlich übernimmt das Portal Bekanntmachungen von rund 70 kooperierenden Vergabeplattformen automatisch. Das Portal informiert über Verfahren, die Abwicklung läuft über eine E-Vergabe-Plattform. Wo die UVgO gilt, müssen Bekanntmachungen über die Suche auf www.bund.de auffindbar sein (§ 28 Abs. 1 UVgO).
Deutschland hat kein einheitliches nationales Vergabeportal. Stattdessen betreiben die Bundesländer eigene Plattformen. Viele Länder schreiben ein Portal vor; maßgeblich ist das Landesrecht. Grundlage der Tabelle ist eine Übersicht des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums (Stand 02.12.2025), die selbst keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt; die Adressen haben wir am 29.10.2026 aufgerufen.
| Bundesland | Vergabeplattform des Landes | Hinweis |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | service-bw.de (Ausschreibungsdienst) | |
| Bayern | vergabe.bayern.de | |
| Berlin | vergabeplattform.berlin.de | |
| Brandenburg | vergabemarktplatz.brandenburg.de | |
| Bremen | vergabe.bremen.de | |
| Hamburg | fbhh-evergabe.web.hamburg.de | |
| Hessen | had.de / vergabe.hessen.de | Hessische Ausschreibungsdatenbank (HAD) und Vergabeplattform des Landes |
| Mecklenburg-Vorpommern | vergabe.mv-regierung.de | |
| Niedersachsen | vergabe.niedersachsen.de | |
| Nordrhein-Westfalen | evergabe.nrw.de | Vergabemarktplatz NRW |
| Rheinland-Pfalz | vergabe.rlp.de | Vergabemarktplatz Rheinland-Pfalz |
| Saarland | saarland.de (Ausschreibungen) | |
| Sachsen | evergabe.sachsen.de | |
| Sachsen-Anhalt | evergabe.sachsen-anhalt.de | |
| Schleswig-Holstein | e-vergabe-sh.de | |
| Thüringen | verwaltung.thueringen.de/evergabe |
Das Flickenteppich-Problem: Die Zersplitterung erschwert nicht nur Bietern den Marktzugang, sondern wirkt sich auch auf die Sichtbarkeit Ihrer Ausschreibung aus. Wichtig zu wissen: Schreibt das Landesrecht eine bestimmte Plattform vor, ersetzt eine Veröffentlichung an anderer Stelle diese Pflicht nicht. Wer eine solche Vorgabe übersieht, riskiert Rügen und ein angreifbares Verfahren.
Neben den vorgeschriebenen Veröffentlichungswegen gibt es private E-Vergabe-Plattformen, die viele Vergabestellen für die technische Abwicklung ihrer Verfahren nutzen. Sie sind nicht vorgeschrieben, nehmen aber viel manuelle Arbeit ab. Entscheidend: Eine Veröffentlichung auf einer solchen Plattform ersetzt eine vom Landesrecht vorgeschriebene Veröffentlichung nur, wenn das Landesrecht das zulässt.
Kommerzielle Plattformen, die Auftraggeber bundesweit für Bekanntmachung, Bereitstellung der Unterlagen, Bieterkommunikation und elektronische Angebotsabgabe nutzen. Die Kosten richten sich nach dem Lizenzmodell des Anbieters, meist nach Volumen und Funktionsumfang.
Plattformen regionaler Verlage, die Ausschreibungsrecherche mit E-Vergabe-Funktionen verbinden. Ob eine Veröffentlichung dort eine vorgeschriebene Bekanntmachung ersetzt, regelt das jeweilige Landesrecht.
Anbieter mit Sitz im europäischen Ausland, die ihre Plattformen auch deutschen Auftraggebern anbieten. Für vorgeschriebene Veröffentlichungen gelten dieselben Regeln wie bei inländischen Plattformen.
Einige öffentliche Auftraggeber betreiben eigene Vergabeportale, die für IT-Anbieter relevant sein können:
vergabeplattform.bwi.de: Die BWI GmbH, IT-Dienstleister der Bundeswehr, veröffentlicht dort ihre Ausschreibungen für IT-Leistungen.
ausschreibungen.kfw.de und ausschreibungen.giz.de: Beide Institutionen veröffentlichen ihre Ausschreibungen auf eigenen Portalen, auch für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit.
Die oben genannten Portale zeigen, wo Ausschreibungen veröffentlicht werden. Eine andere Frage ist: Wie formuliere ich als Auftraggeber die Anforderungen so, dass sie marktfähig und technisch präzise sind? Genau hier setzt das Vergabe-Archiv an.
Das Vergabe-Archiv von IT-Leistungsverzeichnisse.DE enthält über 100.000 Vergabeunterlagen öffentlicher Auftraggeber. Damit sehen Vergabestellen, wie vergleichbare Behörden Leistungsbeschreibungen formuliert, welche CPV-Codes sie verwendet und wie sie ihre Unterlagen aufgebaut haben.
Der Unterschied zu einem reinen Veröffentlichungsportal: Das Archiv ist kein Bekanntmachungssystem, sondern ein Recherchewerkzeug für die Vergabevorbereitung. Wer verstehen will, was der Markt anbietet und was andere Auftraggeber fordern, findet hier Vergleichsmaterial.
Für Sie als Auftraggeber zeigt das Archiv, wie andere Vergabestellen vergleichbare IT-Leistungen beschrieben und welche Unterlagen sie veröffentlicht haben. Das hilft, den eigenen Entwurf technisch einzuordnen. Welche Eignungs- und Zuschlagskriterien Sie festlegen, entscheidet Ihre Vergabestelle.
Rund um Vergabeportale ist in den letzten Jahren ein Markt für spezialisierte Software entstanden: Tools, die Auftraggeber bei der Vergabevorbereitung unterstützen, Plattformtechnologien für die E-Vergabe sowie Monitoring-Dienste auf Bieterseite. Für Sie als Auftraggeber ist entscheidend zu verstehen, wo Automatisierung sinnvoll ist und wo sie an strukturelle Grenzen stößt.
Mehrere Anbieter versprechen, arbeitsintensive Schritte bei der Erstellung von Vergabeunterlagen zu automatisieren: KI-gestützte Textentwürfe für Leistungsbeschreibungen, digitale Markterkundung und gemeinsame Arbeitsflächen für Fachbereich und Vergabestelle.
Wo die Automatisierung an Grenzen stößt: Ein KI-generierter Entwurf einer Leistungsbeschreibung ist ein Ausgangspunkt, kein Ergebnis. Er ersetzt nicht die fachliche Prüfung, ob die Anforderungen den tatsächlichen Bedarf treffen, technisch aktuell sind und den Wettbewerb nicht unangemessen einschränken. Die Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit liegt weiterhin beim Auftraggeber. Interne Fachbereiche müssen eingebunden werden, das IT-Know-how muss aus der eigenen Organisation kommen, nicht aus dem Sprachmodell.
Hersteller von E-Vergabe-Software stellen die technische Infrastruktur für viele öffentliche Auftraggeber bereit. Die Plattformen versprechen, die Prozesskette von der Bekanntmachung über die Bieterfragen bis zur elektronischen Angebotsöffnung abzubilden.
Wo die Automatisierung an Grenzen stößt: Die Plattform stellt den technischen Rahmen bereit, hat aber keinen Einfluss auf die Qualität der Vergabeunterlagen. Ob ein Leistungsverzeichnis vollständig ist, ob Eignungskriterien verhältnismäßig sind oder wie die Bewertungsmatrix aufgebaut ist, hängt allein vom Auftraggeber ab. Plattformtechnologie löst keine inhaltlichen Vergabeprobleme.
Kommerzielle Ausschreibungsdienste sammeln Bekanntmachungen aus vielen Vergabeplattformen und bieten Bietern ein automatisiertes Monitoring, oft mit KI-gestütztem Abgleich. Für Sie als Auftraggeber relevant: Solche Dienste bestimmen mit, wie sichtbar Ihre Ausschreibung für potenzielle Bieter ist.
Was Ausschreibungsdienste für Sie als Auftraggeber bedeuten: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Monitoring-Dienste automatisch zu Reichweite und Wettbewerb führen. Wer auf den relevanten Pflichtportalen veröffentlicht und die Leistungsbeschreibung präzise formuliert, erreicht qualifizierte Bewerber. Über die Qualität der Angebote entscheidet die strukturelle Klarheit Ihrer Ausschreibung, nicht die Zahl der Aggregatoren, auf denen sie auftaucht.
Fazit zur Automatisierung: Software kann Routineaufgaben beschleunigen und Informationen aggregieren. Sie kann nicht beurteilen, ob ein IT-Beschaffungsvorhaben technisch richtig geplant ist, ob die Anforderungen dem Stand der Technik entsprechen oder ob das Verfahren einer vergaberechtlichen Prüfung standhält. Die technische Seite erfordert IT-Fachkenntnis, die vergaberechtliche Seite Ihre Vergabestelle oder eine Vergabekanzlei.
IT-Leistungsverzeichnisse.DE bietet dafür Produkte an: Muster-Leistungsverzeichnisse als Vorlage, das Vergabe-Archiv mit über 100.000 Vergabeunterlagen zur Recherche und den Leistungsbeschreibung-Generator, der in wenigen Minuten einen technischen Entwurf erstellt. Rechtliche Festlegungen bleiben darin Platzhalter für Ihre Vergabestelle. Wie jeder KI-Entwurf ist er ein Ausgangspunkt, den Ihr Fachbereich prüft und anpasst.
In der Praxis treten bei der Veröffentlichung von IT-Ausschreibungen immer wieder dieselben Fehler auf. Sie können das Verfahren angreifbar machen oder im schlimmsten Fall eine Aufhebung nötig machen.
Wird der Schwellenwert erreicht oder überschritten und die Bekanntmachung nicht im Amtsblatt der EU (TED) veröffentlicht, ist das Verfahren fehlerhaft. Unternehmen mit Interesse am Auftrag können ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer beantragen (§ 160 GWB). Ein ohne die vorgeschriebene EU-Bekanntmachung geschlossener Vertrag kann für unwirksam erklärt werden (§ 135 Abs. 1 Nr. 2 GWB).
Eine Kommune veröffentlicht nur auf einer kommerziellen Plattform, obwohl das Landesrecht eine bestimmte Plattform vorschreibt. Beides schließt sich nicht aus, aber die vorgeschriebene Veröffentlichung lässt sich nicht durch eine andere Plattform ersetzen.
Bei Rahmenverträgen zählt der geschätzte Gesamtwert aller Einzelaufträge über die gesamte Laufzeit, nicht das erste Jahr (§ 3 Abs. 4 VgV). Wer einen 4-Jahres-Rahmenvertrag mit 60.000 EUR Jahresvolumen schreibt, liegt mit dem Gesamtauftragswert (240.000 EUR) über dem EU-Schwellenwert von 216.000 EUR und benötigt ein EU-weites Verfahren. Eine bewusste Stückelung, um den Schwellenwert zu umgehen, ist unzulässig (§ 3 Abs. 2 VgV).
CPV-Codes sind keine Formalie: Anbieter im IT-Markt filtern Ausschreibungsplattformen nach CPV-Codes. Wer für eine IT-Dienstleistung den falschen Code wählt (z.B. einen Baucode statt 72000er-IT-Code), wird von den relevanten Bewerbern schlicht nicht gefunden. Das Ergebnis ist ein dünn besetztes Bieterfeld und möglicherweise ein unvorteilhafter Preiswettbewerb.
Die Antwort hängt vom Auftraggeber-Typ, vom Auftragswert und vom Landesrecht ab. Als Faustregel gilt: vorgeschriebene Veröffentlichungen zuerst, alles andere ist freiwillig.
Das Landesrecht bestimmt, ob ein bestimmtes Portal vorgeschrieben ist. Zusätzlich bei Erreichen des EU-Schwellenwerts: Bekanntmachung im Amtsblatt der EU (TED). Optional: eine kommerzielle Plattform für die technische Abwicklung, soweit das Landesrecht dies zulässt. Wo die UVgO gilt, müssen Bekanntmachungen außerdem über bund.de auffindbar sein (§ 28 Abs. 1 UVgO).
Das Landesrecht bestimmt das Portal. Bei Erreichen des EU-Schwellenwerts: TED. Optional: Eine zusätzliche Veröffentlichung auf einer kommerziellen Plattform erhöht die Sichtbarkeit, ersetzt aber keine vorgeschriebene Veröffentlichung.
Bekanntmachungen erscheinen auf service.bund.de. Bei Erreichen des EU-Schwellenwerts zusätzlich TED; für das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien gilt dabei der Wert von 140.000 EUR. Für die technische Abwicklung steht die e-Vergabe des Bundes (evergabe-online.de) zur Verfügung.
Fazit: Portale sind das Pflichtprogramm, nicht das Ergebnis
Die Wahl des richtigen Portals ist notwendig, aber nicht hinreichend für eine erfolgreiche IT-Ausschreibung. Entscheidend ist die Qualität der Vergabeunterlagen. Ein Leistungsverzeichnis, das den tatsächlichen Bedarf nicht trifft, die falschen Anforderungen stellt oder rechtlich angreifbar ist, scheitert unabhängig davon, auf wie vielen Portalen es veröffentlicht wurde. Fehlende, unklare oder widersprüchliche Angaben sollten deshalb vor dem Start auffallen, etwa bei einer technischen Durchsicht der Unterlagen mit dem KI-Ausschreibungs-Check.
Quellen
Muster-LVs und reale Vergleichsverfahren aus dem Vergabe-Archiv als Ausgangsbasis für Ihre Leistungsbeschreibung.
Sie haben eine konkrete Beschaffung vor sich und wollen sehen, wie andere sie aufgesetzt haben? Das Vergabe-Archiv zeigt vergleichbare Verfahren. Bei Fragen zu den Produkten melden Sie sich gern.