Digitalpakt 2.0 · Schulträger · Vergaberecht · iPad-Beschaffung

Digitalpakt 2.0: IT-Beschaffung für Schulträger vorbereiten

5 Milliarden Euro stehen bereit, um Schulen in Deutschland digital fit zu machen. Doch das Geld fließt nicht automatisch: Als Schulträger rufen Sie die Mittel nach dem Verfahren Ihres Landes ab, führen Vergabeverfahren durch und halten dabei das Vergaberecht ein. Dieser Ratgeber zeigt, was gefördert wird, welche Vergabepflichten gelten und unter welchen Voraussetzungen die Rechtsprechung eine produktspezifische Ausschreibung von iPads akzeptiert hat.

Stand: 29.10.2026

Was ist der Digitalpakt 2.0?

Der Digitalpakt 2.0 ist das Nachfolgeprogramm des DigitalPakts Schule (2019 bis 2024) und stellt für die Jahre 2026 bis 2030 insgesamt 5 Milliarden Euro für die digitale Bildung an Schulen bereit. Bund und Länder tragen die Kosten jeweils zur Hälfte, die 2,5 Milliarden Euro des Bundes stammen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“. Nachdem alle Länder unterschrieben hatten, hat Bundesbildungsministerin Karin Prien die Verwaltungsvereinbarung am 31. August 2026 unterzeichnet; der Digitalpakt 2.0 ist am 1. September 2026 gestartet.

Laufzeit und Volumen

Programmlaufzeit 2026 bis Ende 2030, bereits bewilligte Maßnahmen können bis 2032 abgeschlossen werden. Gefördert werden können auch Vorhaben, die ab dem 1. Januar 2026 begonnen wurden. Gesamtvolumen: 5 Mrd. Euro, je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.

Drei Handlungsstränge

Handlungsstrang I: digitale Bildungsinfrastruktur (Netzwerke, WLAN, Server, Endgeräte), Finanzhilfe des Bundes von 2,25 Mrd. Euro. Handlungsstrang II: Schul- und Unterrichtsentwicklung in Verantwortung der Länder. Handlungsstrang III: Bund-Länder-Initiative „Digitales Lehren und Lernen“ zur Lehrkräftebildung und Forschung. Für die Beschaffung der Schulträger ist vor allem Handlungsstrang I maßgeblich.

Wichtig für die Planung: Die konkrete Ausgestaltung der Förderung sowie das Antrags- und Bewilligungsverfahren regeln die Länder. Welche Schritte vor der Bewilligung zulässig sind und ab wann eine Maßnahme als begonnen gilt, steht im Förderprogramm Ihres Landes. Wer früh vorbereitet, kann nach der Bewilligung zügig ausschreiben.

Wer ist Auftraggeber? Schulträger, nicht Schulen

Ein zentrales Missverständnis in der Praxis: Nicht die Schule selbst, sondern der Schulträger ist für die IT-Infrastruktur zuständig und tritt als Auftraggeber im Vergabeverfahren auf. Schulträger sind in der Regel Städte, Landkreise oder Gemeinden. Bei Privatschulen können es auch freie Träger sein. Die Schulleitungen sind zwar inhaltlich betroffen, haben aber keine Befugnis, Vergabeverfahren einzuleiten oder Verträge zu schließen.

Dezentrale Struktur: Was das für Sie bedeutet

Der Digitalpakt wird nicht zentral abgewickelt. Die Mittel fließen über Landesprogramme; antragsberechtigt sind Schulträger und weitere nach Landesrecht berechtigte Stellen. Beschafft wird deshalb in der Regel dezentral, mit vielen parallelen Ausschreibungen auf kommunaler Ebene.

Medienentwicklungsplan (MEP) als Grundlage: Welche Unterlagen der Förderung zugrunde liegen müssen, etwa ein Medienentwicklungsplan oder ein technisch-pädagogisches Konzept, regelt das Förderprogramm Ihres Landes. Ein MEP, der den IT-Bedarf aller zugehörigen Schulen mit Budgets und Leistungsarten benennt, ist zugleich eine gute Basis für das spätere Leistungsverzeichnis.

Mehrere Schulen gemeinsam ausschreiben: Schulträger, die mehrere Schulen betreiben, können deren Bedarf in einem einzigen Vergabeverfahren bündeln. Das spart Verwaltungsaufwand. Oberhalb der EU-Schwellenwerte gilt dabei der Losgrundsatz nach § 97a GWB; ob und wie in Lose aufgeteilt wird, entscheidet die Vergabestelle.

Was ist förderfähig?

Nach Angaben von Bund und Ländern fördert der Digitalpakt 2.0 unter anderem Schulnetzwerke, WLAN, Schulserver, die digitale Ausstattung von Unterrichtsräumen, mobile Endgeräte, digitale Lehr- und Lernplattformen, Bildungssoftware sowie professionelle Strukturen für den technischen Support. Administration wurde schon im ersten DigitalPakt über eine Zusatzvereinbarung von 2020 gefördert. Die Qualifizierung von Lehrkräften läuft über die Länder und die Bund-Länder-Initiative „Digitales Lehren und Lernen“, nicht über die Beschaffung der Schulträger. Was im Einzelnen förderfähig ist, regelt das Förderprogramm Ihres Landes.

Leistungsart Typische LV-Positionen Förderung
Endgeräte Tablets (inkl. iPads), Notebooks, stationäre PCs, interaktive Displays Förderfähig
Netzwerkinfrastruktur WLAN-Ausbau (Access Points, Controller), strukturierte Verkabelung, Server Förderfähig
Software und Lizenzen MDM-System, Lehr- und Lernplattformen, unterrichtlich genutzte Software Förderfähig
IT-Administration und Support Strukturen für Administration und Support: Helpdesk, Geräteverwaltung, Patch-Management Förderfähig
Lehrkräftequalifizierung Fortbildungsmaßnahmen, Schulungen zu digitalen Lehrformaten und Tools Über das Land
Muster-Leistungsverzeichnis iPad/Tablets

Für die Ausschreibung von iPads samt Zubehör gibt es ein Muster-Leistungsverzeichnis als Vorlage: mit Gerätespezifikation, MDM-Integration und Zero-Touch-Enrollment, Lieferanforderungen, Serviceanforderungen und Rücknahme.

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Vergaberecht: Was gilt für Schulträger?

Kommunale Schulträger sind öffentliche Auftraggeber im Sinne des § 99 Nr. 1 GWB und müssen bei IT-Beschaffungen das Vergaberecht einhalten. Das gilt unabhängig davon, ob die Mittel aus dem Digitalpakt kommen oder aus dem kommunalen Haushalt. Für freie Träger können sich Vergabepflichten aus dem Förderbescheid ergeben. Die Förderung ändert weder die Schwellenwerte noch die Verfahrensarten.

Auftragsvolumen Verordnung Verfahrensarten
Unter 216.000 € ohne USt UVgO bzw. Landesrecht Öffentliche oder Beschränkte Ausschreibung, Verhandlungsvergabe, Direktauftrag (Wertgrenzen nach Landesrecht)
Ab 216.000 € ohne USt VgV (EU-weit) Offenes oder nicht offenes Verfahren (§ 14 Abs. 2 VgV), andere Verfahrensarten nur unter den Voraussetzungen des § 14 Abs. 3 und 4 VgV

Produktneutralität: Regel und Ausnahme

Nach § 31 Abs. 6 VgV (unterhalb der Schwellenwerte entsprechend nach UVgO bzw. Landesrecht) müssen Leistungsbeschreibungen grundsätzlich produktneutral formuliert werden. Verweise auf bestimmte Marken, Typen oder Hersteller sind unzulässig, wenn dadurch bestimmte Unternehmen oder Produkte begünstigt oder ausgeschlossen werden, es sei denn, der Auftragsgegenstand rechtfertigt den Verweis. Für den Digitalpakt bedeutet das: Wer Endgeräte ausschreibt, beschreibt technische Anforderungen (Displaygröße, Akkulaufzeit, Betriebssystem-Kompatibilität), nicht ein konkretes Produkt.

Ausnahme: produktspezifische Ausschreibung von iPads

Das OLG Brandenburg hat eine produktspezifische Ausschreibung von iPads im Einzelfall nicht beanstandet (Beschl. v. 08.07.2021, 19 Verg 2/21, Eilentscheidung zur aufschiebenden Wirkung). Der Auftraggeber hatte sich 2018 auf iPads festgelegt; sein Mobile Device Management (MDM) bot wesentliche Funktionen nur für diese Geräte. Ein Mischbetrieb mit Android-Geräten hätte nach Auffassung des Senats die Fehlerquellen vervielfacht und zusätzlichen Aufwand für Administration und Lehrkräfteschulung verursacht.

Voraussetzungen: Die Begründung muss objektiv und auftragsbezogen sein und im Vergabevermerk dokumentiert werden. Fehlt diese Dokumentation, ist die Festlegung auf ein Produkt in einem Nachprüfungsverfahren schwer zu verteidigen.

Produktspezifisch: Gründe im entschiedenen Fall
  • Vorhandenes MDM bietet wesentliche Funktionen nur für die eingesetzten Geräte
  • Mischbetrieb würde erheblichen Mehraufwand erzeugen
  • Dokumentation der Gründe im Vergabevermerk
  • Sachlich nachvollziehbare, auftragsbezogene Begründung
Produktneutral ausschreiben: Wann nötig
  • Erstbeschaffung ohne bestehende MDM-Infrastruktur
  • Kein sachlich begründbarer Hersteller-Lock-in
  • Bei Ersteinrichtung: technische Anforderungen formulieren
  • Zusatz „oder gleichwertig“ bei Verweisen auf Normen oder Produkte (§ 31 Abs. 2 und 6 VgV)

Rahmenverträge für Folgebeschaffungen: Für wiederkehrende Beschaffungen wie Ersatzgeräte, Zubehör oder Softwarelizenzen bietet sich eine Rahmenvereinbarung an (oberhalb der Schwellenwerte § 21 VgV, Laufzeit höchstens vier Jahre nach Abs. 6; unterhalb nach UVgO bzw. Landesrecht). Eine einmal ausgeschriebene Rahmenvereinbarung deckt dann mehrere Jahre ab, ohne dass für jede Einzelbeschaffung ein neues Verfahren notwendig wird. Gerade für Schulträger mit mehreren Schulen ist das eine Entlastung.

Typische Fehler bei Digitalpakt-Ausschreibungen

Diese Stolpersteine können zu Verfahrensverzögerungen, Nachträgen oder Bieterrügen führen.

1
Vertrag vor der Klärung der Förderregeln geschlossen

Ob vor der Bewilligung ausgeschrieben oder sogar ein Vertrag geschlossen werden darf, regelt das Förderprogramm des Landes. Gefördert werden können zwar auch Vorhaben, die ab dem 1. Januar 2026 begonnen wurden; die Einzelheiten zu Antrag, Bewilligung und Maßnahmenbeginn legen aber die Länder fest. Wer ohne Klärung einen Vertrag schließt, riskiert, auf den Ausgaben sitzen zu bleiben.

In der Praxis: Medienentwicklungsplan und interne Bedarfsplanung werden möglichst früh abgeschlossen, damit nach Bewilligung ausgeschrieben werden kann. Die Vorbereitungsphase (MEP, Leistungsbeschreibung, Vergabeunterlagen) kann parallel zur Antragstellung laufen.

2
iPad direkt ausgeschrieben ohne Vergabevermerk-Dokumentation

Wird ein bestimmtes Produkt nur ausgeschrieben, weil Lehrkräfte oder die Schulleitung es wünschen, fehlt eine auftragsbezogene Begründung. Ohne eine lückenlose Dokumentation der objektiven Gründe im Vergabevermerk ist das eine angreifbare Entscheidung, selbst wenn die MDM-Begründung faktisch zutrifft.

In der Praxis: Vor einer produktspezifischen Ausschreibung wird dokumentiert, ob ein vorhandenes MDM-System nur Apple vollständig unterstützt. Ob das eine produktspezifische Ausschreibung trägt (vgl. OLG Brandenburg, 19 Verg 2/21), beurteilt Ihre Vergabestelle.

3
Wartungs- und Supportkosten fehlen im Preisblatt

Der Digitalpakt 2.0 fördert auch Strukturen für Administration und technischen Support. Schulträger, die nur die Anschaffungskosten der Hardware im Preisblatt abfragen, lassen Förderpotenzial liegen und erhalten außerdem kein realistisches Bild der Gesamtkosten über die Vertragslaufzeit.

In der Praxis: Das Preisblatt lässt sich in zwei Blöcke teilen: einmalige Beschaffungskosten (Hardware, Installation, Einrichtung) und laufende Betriebskosten (MDM-Lizenzen, IT-Support, Wartungsvertrag pro Jahr). Was davon förderfähig ist, klären Sie mit dem Fördermittelgeber.

4
Kein Übergabe- und Migrationskonzept nach Vertragsende

Wer MDM-Software, Lernplattformen oder Cloud-Dienste ausschreibt, geht eine technische Abhängigkeit ein. Ohne vertraglich vereinbarte Übergabepflichten (Datenmigration, Geräteverwaltungsprofile, Konfigurationsdokumentation) ist ein späterer Anbieterwechsel mit erheblichem Aufwand verbunden.

In der Praxis: Eine eigene LV-Position für „Übergabe und Migration“ schafft Klarheit: vollständiger Export aller Gerätedaten, Dokumentation der Konfigurationen, Unterstützung bei der Einrichtung eines Nachfolgesystems. Ob sie als Muss-Anforderung gilt, legt Ihre Vergabestelle fest.

5
Schulen werden einzeln ausgeschrieben statt gebündelt

Schulträger mit mehreren Schulen führen manchmal für jede Schule ein eigenes Verfahren durch, weil die Bedarfe unterschiedlich sind. Das vervielfacht den Verwaltungsaufwand und kann zu Auftragsgrößen führen, die für Anbieter wenig attraktiv sind. Für die Schätzung des Auftragswerts gilt zudem: Eine Vergabe darf nicht so aufgeteilt werden, dass sie aus dem Anwendungsbereich des Vergaberechts fällt (§ 3 Abs. 2 VgV).

In der Praxis: Der Bedarf aller Schulen lässt sich im Medienentwicklungsplan zusammenfassen. Ob und wie in Lose aufgeteilt wird, entscheidet Ihre Vergabestelle.

Praxistipps für Schulträger

1
Medienentwicklungsplan jetzt aktualisieren

Der MEP ist das Nadelöhr zwischen Digitalpakt-Förderung und Vergabeverfahren. Schulträger, die ihren MEP bereits aktualisiert haben oder neu erstellen, können nach Bewilligung sofort mit der Ausschreibung beginnen. Ist der MEP noch nicht beschlossen, wenn der Förderantrag fertig ist, geht Zeit verloren.

2
MDM-Situation klären, bevor das LV geschrieben wird

Ob Sie produktneutral oder produktspezifisch ausschreiben, hängt maßgeblich von Ihrer bestehenden MDM-Infrastruktur ab. Diese Frage sollte der IT-Verantwortliche des Schulträgers beantworten, nicht die Schulleitung. Die Antwort bestimmt die gesamte Struktur des Leistungsverzeichnisses und das, was im Vergabevermerk zu begründen ist.

3
Rahmenvertrag für Hardware-Folgekäufe nutzen

Endgeräte haben eine begrenzte Nutzungsdauer; Ersatz und Ergänzungen fallen schon während der Laufzeit des Digitalpakts an. Eine Rahmenvereinbarung (oberhalb der Schwellenwerte höchstens vier Jahre, § 21 Abs. 6 VgV) regelt die Konditionen für Folgebeschaffungen, ohne dass jedes Mal ein neues Vergabeverfahren nötig ist. Das in Aussicht genommene Auftragsvolumen ist so genau wie möglich zu ermitteln und bekannt zu geben (§ 21 Abs. 1 VgV).

4
Markterkundung vor der Ausschreibung

Eine Markterkundung vor Einleitung des Verfahrens (§ 28 VgV) hilft, das Leistungsverzeichnis realistisch zu formulieren. Sprechen Sie mehrere Anbieter an und fragen Sie, welche Anforderungen in Ihrer Schulträger-Umgebung typisch sind und welche den Markt unnötig einschränken würden. Wer Anbieter an der Vorbereitung beteiligt, muss dafür sorgen, dass der Wettbewerb nicht verzerrt wird, etwa indem alle Bieter dieselben Informationen erhalten (§ 7 VgV).

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Quellen

  1. Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Karin Prien unterzeichnet Verwaltungsvereinbarung zum Digitalpakt 2.0“, bmbfsfj.bund.de, 01.09.2026.
  2. Kultusministerkonferenz: „Digitalpakt 2.0 startet am 1. September: Bund und Länder bringen Milliardeninvestitionen für die digitale Bildung auf den Weg“, kmk.org, 01.09.2026.
  3. BMBFSFJ, DigitalPakt Schule: „DigitalPakt 2.0: Deutschlands Schulen gehen den nächsten digitalen Schritt“, digitalpaktschule.de, 2026.
  4. Bund und Länder: „Zusatz-Verwaltungsvereinbarung Administration zum DigitalPakt Schule 2019 bis 2024“, digitalpaktschule.de, 2020.
  5. Kultusministerkonferenz: „Bildung in der digitalen Welt: DigitalPakt Schule“, kmk.org.
  6. News4teachers: „Digitalpakt: Welche Spielräume das Vergaberecht Schulträgern bei Ausschreibungen lässt“, news4teachers.de, April 2026.
  7. OLG Brandenburg: „Beschluss vom 08.07.2021, 19 Verg 2/21“, gerichtsentscheidungen.brandenburg.de.
  8. Bundesministerium der Justiz: „§ 31 VgV: Leistungsbeschreibung“, gesetze-im-internet.de, abgerufen 2026.
  9. Bundesministerium der Justiz: „§ 21 VgV: Rahmenvereinbarungen“, gesetze-im-internet.de, abgerufen 2026.
  10. Europäische Kommission: „Delegierte Verordnung (EU) 2025/2152 der Kommission vom 22.10.2025 (Schwellenwerte ab 01.01.2026)“, eur-lex.europa.eu, 2025.
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