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SAP S/4HANA ausschreiben: Der Praxis-Guide für öffentliche Auftraggeber

SAP stellt die Wartung für ECC am 31.12.2027 ein. Wer jetzt nicht handelt, wird unter Zeitdruck entscheiden. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie das Vergabeverfahren richtig aufsetzen, alle Beteiligten rechtzeitig einbinden und den Wettbewerb so gestalten, dass am Ende der beste Partner den Zuschlag erhält.

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · ca. 12 Min. Lesezeit


Warum jetzt handeln? Das Ende von SAP ECC

SAP hat die Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 auf den 31. Dezember 2027 terminiert. Ab diesem Datum gibt es keine Sicherheits-Patches, keine Compliance-Updates und keine Fehlerkorrekturen mehr für das bestehende System. Erfahrungsgemäß dauern SAP-S/4HANA-Einführungsprojekte im öffentlichen Sektor 18 bis 36 Monate, abhängig von Komplexität, Anzahl der Mandanten und dem Umfang historisch gewachsener Individualisierungen.

31.12.2027
SAP ECC Wartungsende
18–36
Monate Projektlaufzeit
2026
Letztes realist. Ausschreibungsjahr

Wer das Vergabeverfahren erst 2027 startet, kann keinen rechtzeitigen Go-Live garantieren. Das ist nicht nur ein operatives Risiko, es ist auch ein vergaberechtliches: Ein nachträglicher Direktauftrag ohne Wettbewerb, begründet mit Zeitdruck, ist angreifbar. In Projekten, die wir begleitet haben, zeigte sich immer wieder, dass der eigentliche Engpass nicht die Technik ist, sondern die Vorlaufzeit für das Vergabeverfahren selbst. Ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb dauert vom Bekanntmachungsbeschluss bis zur Zuschlagserteilung erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate.

Das Ergebnis: Wer heute noch kein Verfahren initiiert hat, sollte spätestens im dritten Quartal 2026 die Bekanntmachung veröffentlichen. Alles, was davor liegt, ist Vorbereitung, und die ist entscheidend für die Qualität des späteren Vertrags.

Was genau wird ausgeschrieben?

Bevor das Verfahren startet, muss der Beschaffungsgegenstand präzise definiert sein. Bei SAP-S/4HANA-Projekten im öffentlichen Sektor verwischen häufig drei Leistungsbereiche, die rechtlich und wirtschaftlich getrennt zu betrachten sind.

Implementierungsleistung
  • Projektmanagement und -steuerung
  • Fachkonzeption und Prozessdesign
  • Systemkonfiguration und Customizing
  • Datenmigration (Legacy-Daten)
  • Test, Schulung, Hypercare-Phase
Betrieb und Betreuung
  • Application Management Services (AMS)
  • Basis-Betrieb (On-Premise oder Private Cloud)
  • Release- und Patch-Management
  • Second- und Third-Level-Support
  • Monitoring und Incident-Management
Lizenzen und Cloud-Abonnements
  • SAP-Softwarelizenzen (On-Premise)
  • RISE with SAP (Cloud-Abonnement)
  • Rahmenverträge über SAP-Reseller
  • Achtung: Lizenzen separat oder gebündelt?

In der Praxis zeigt sich, dass die Frage "Lizenzen getrennt oder gebündelt?" häufig zu spät gestellt wird. Wer Implementierung und Lizenzbeschaffung in einem Los bündelt, schränkt den Bieterkreis ein, da nicht jeder Implementierungspartner auch Reseller-Status hat. Eine Trennung in separate Lose oder ein klares Subauftragnehmer-Modell schafft mehr Wettbewerb und damit bessere Preise.

Deployment-Varianten im Überblick
Variante Betreiber Typisch für
On-Premise Eigenes Rechenzentrum Behörden mit hohen Datenschutzanforderungen
Private Cloud (RISE) SAP-Hyperscaler, dedizierte Instanz Kommunen und Landesbehörden
Public Cloud Mandantenfähige SAP-Umgebung Eher für kleinere Einheiten, wenig Customizing

Vergabeverfahren: Warum immer mit Teilnahmewettbewerb

SAP-S/4HANA-Projekte überschreiten in der Regel deutlich den EU-Schwellenwert für Liefer- und Dienstleistungsaufträge von 221.000 Euro (netto). Damit gilt das Oberschwellenrecht nach VgV. Das richtige Verfahren ist das Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb nach § 17 VgV.

Das offene Verfahren scheidet praktisch aus: SAP-Projekte sind zu komplex, um alle Anforderungen vorab vollständig zu spezifizieren. Verhandlungen über Konzepte, Methodik, Preismodell und Projektorganisation sind unverzichtbar. Das Verhandlungsverfahren ist dafür gemacht.

Stufe 1: Teilnahmewettbewerb
  • Öffentliche Bekanntmachung (TED/DTVP/evergabe)
  • Eignungskriterien: Referenzen, Zertifizierungen, Umsatz
  • Ziel: 3 bis 5 qualifizierte Bieter auswählen
  • Typische Frist: 30 Tage Teilnahmeantragsfrist
Stufe 2: Verhandlungsverfahren
  • Aufforderung zur Angebotsabgabe an ausgewählte Bieter
  • Mindestens eine Verhandlungsrunde (besser zwei)
  • Finales Angebot nach Verhandlungen
  • Zuschlag nach transparenten Zuschlagskriterien

Eignungskriterien in Stufe 1 sollten gezielt auf SAP-Erfahrung im öffentlichen Sektor ausgerichtet sein. Bewährte Kriterien aus Projekten, die wir begleitet haben:

Referenzprojekte: Mindestens zwei abgeschlossene SAP-S/4HANA-Implementierungen bei öffentlichen oder halbstaatlichen Auftraggebern in den letzten fünf Jahren, davon mindestens eine mit vergleichbarem Auftragsvolumen.
SAP-Partnerstatus: Mindestens SAP-Partner-Level Gold oder Platinum, nachgewiesen über den SAP Partner Finder. Relevante SAP-Zertifizierungen (z.B. für Finance, HCM, MM) für die ausgeschriebenen Module.
Personelle Kapazität: Nachweis, dass mindestens ein zertifizierter Projektleiter (PMP oder vergleichbar) und zertifizierte SAP-Berater für die Kernmodule während der gesamten Projektlaufzeit verfügbar sind.
Wirtschaftliche Eignung: Mindestumsatz von mindestens dem Doppelten des geschätzten Auftragswertes in den letzten drei Geschäftsjahren. Berufshaftpflichtversicherung in ausreichender Höhe.
Hinweis zur Marktkundgebung

Vor dem formalen Verfahrensstart empfiehlt sich eine Markterkundung nach § 28 VgV. Dazu können Sie Informationen zu Ihrem Vorhaben vorab veröffentlichen und Rückmeldungen aus dem Markt einholen, ohne sich vergaberechtlich zu binden. Das schärft die Leistungsbeschreibung und gibt Hinweise darauf, welche Anforderungen marktüblich sind und welche den Bieterkreis ungerechtfertigt einschränken würden.

Alle Beteiligten frühzeitig einbinden

Eine SAP-S/4HANA-Einführung ist kein IT-Projekt. Sie ist ein Organisationsprojekt mit IT-Anteil. Erfahrungsgemäß scheitern oder verzögern sich Projekte nicht am System, sondern an fehlender Einbindung der Fachbereiche. Wer die Anforderungen ausschließlich in der IT-Abteilung erhebt, schreibt an der Realität der späteren Nutzer vorbei.

Folgende Bereiche müssen vor der Leistungsbeschreibung aktiv befragt werden, nicht erst im Projekt:

Pflichtbeteiligte
Finanzen und Controlling, Kernbereich der meisten SAP-Projekte (FI/CO)
Personalwesen (HCM), besonders wenn Gehaltsabrechnung migriert wird
Einkauf und Beschaffung, Prozesse in SAP MM direkt betroffen
IT-Betrieb, Schnittstellen, Infrastruktur, Sicherheitsanforderungen
Datenschutzbeauftragter, Verarbeitungsverzeichnis, Auftragsverarbeitung
Häufig vergessen, aber kritisch
Personalrat / Betriebsrat, hat Mitbestimmungsrechte bei IT-Systemen (§ 87 BetrVG)
Juristische Abteilung, Vertragsprüfung, insbesondere RISE-Verträge und SLAs
Revision und Innenrevision, Anforderungen an Revisionssicherheit und Auditfähigkeit
Geschäftsführung / Dezernatsleitung, Budgetfreigabe, strategische Priorisierung
Schnittstellen-Systeme, alle Fachbereiche mit Drittsystem-Anbindungen an SAP

Ein bewährtes Format ist ein strukturierter Workshop-Prozess in drei Phasen: Bestandsaufnahme je Fachbereich, gemeinsame Priorisierung der Anforderungen, anschließende Konsensrunde zur Leistungsbeschreibung. Dieser Prozess kostet vier bis sechs Wochen, spart aber Monate an Nachverhandlungen im Projekt. In Projekten, die wir begleitet haben, war die Qualität der Anforderungsdokumentation der stärkste Prädiktor für einen reibungslosen Go-Live.

Legacy-Workflows frühzeitig identifizieren

SAP ECC-Systeme, die über viele Jahre betrieben wurden, tragen in der Regel erhebliches Customizing-Gewicht: Eigenentwicklungen (Z-Transaktionen), spezifische Formularlogiken, manuelle Buchungsroutinen, Schnittstellen zu Fachanwendungen, die vor Jahren angebunden wurden, und Prozesse, die heute nur noch ein oder zwei Personen vollständig kennen.

Diese Legacy-Komplexität ist der größte Unbekannte in jedem Migrationsprojekt. Zu hoch angesetzt, treibt sie das Budget. Zu niedrig eingeschätzt, führt sie zu Projektstillstand kurz vor dem Go-Live. Deshalb muss die Bestandsaufnahme vor der Ausschreibung beginnen, nicht danach.

Vorbereitende Analyse vor der Ausschreibung
Technische Analyse
  • Anzahl und Komplexität aller Z-Transaktionen und Eigenentwicklungen (ABAP-Code-Analyse)
  • Schnittstellenlandschaft: welche Systeme kommunizieren mit SAP?
  • Datenbankgröße und Datenqualität
  • Aktive vs. inaktive Systemmodule
Fachliche Analyse
  • Prozesse, die im Standard-S/4HANA nicht existieren
  • Abläufe, die nur über manuelle Workarounds funktionieren
  • Berichts- und Auswertungsanforderungen je Fachbereich
  • Kritische Jahresabschluss- und Fristen-Prozesse

Die Ergebnisse dieser Analyse fließen direkt in die Leistungsbeschreibung. Ein klar dokumentierter Ist-Zustand ermöglicht Bietern belastbare Kalkulationen. Wer diesen Schritt überspringt, erhält Angebote mit großen Risikoaufschlägen oder, schlimmer, mit unrealistisch niedrigen Preisen, die sich im Projektverlauf durch Nachträge kompensieren.

Fit-Gap-Analyse als optionale Vergabeleistung

Eine Alternative zur Vorab-Analyse ist die Aufnahme einer Fit-Gap-Analyse als erste, separat vergütete Phase im Vertrag. Dabei führt der Implementierungspartner die Bestandsaufnahme zu Projektbeginn durch, bevor der Hauptauftrag verbindlich wird. Dieses Modell gibt beiden Seiten Sicherheit, erfordert aber Vertrauen in die Objektivität des Auftragnehmers bei der Analyse seiner eigenen Vorleistung.

Bestehender Partner: Chancen, Risiken und Wettbewerb

Bei einer SAP-S/4HANA-Ausschreibung steht häufig implizit die Frage im Raum: Soll der bisherige SAP-Betriebspartner eine realistische Chance haben, oder soll gewechselt werden? Diese Frage muss bewusst und transparent beantwortet werden, bevor das Verfahren startet. Was nicht funktioniert, ist eine Leistungsbeschreibung, die de facto auf einen Anbieter zugeschnitten ist. Das wäre vergaberechtlich angreifbar.

Pulskontrolle der Fachbereiche: Bevor das Verfahren beginnt, lohnt eine strukturierte Abfrage der Zufriedenheit mit dem bisherigen Partner in allen betroffenen Fachbereichen. Welche Leistungen wurden gut erbracht? Wo gibt es Reibung? Welche Defizite haben sich über die Jahre aufgebaut? Diese Bewertung ist keine Befindlichkeitsabfrage, sie ist die Grundlage für die Formulierung der Zuschlagskriterien und die Gewichtung von Qualität gegenüber Preis.

Neutraler Wettbewerb trotz Bestandspartner
1
Systemdokumentation vom Bestandspartner einfordern und in die Vergabeunterlagen für alle Bieter aufnehmen. Nur wer das Altsystem kennt, kann realistisch anbieten.
2
Bieterfragen transparent beantworten: Alle Fragen und Antworten allen Bietern gleichzeitig zur Verfügung stellen. Kein bilaterales Gespräch über Systemdetails.
3
Zuschlagskriterien sachlich formulieren: Erfahrung mit der konkreten Branche oder dem Verwaltungstyp ist ein legitimes Kriterium; Erfahrung mit dem spezifischen Bestandssystem des Auftraggebers dagegen nicht.
4
Übergabe- und Migrationsklausel aufnehmen: Der Vertrag muss einen klar definierten Exit-Prozess enthalten, unabhängig davon, ob der alte oder ein neuer Partner gewinnt.

Marktüberblick mit dem SAP Partner Finder: Den offiziellen SAP Partner Finder unter partnerfinder.sap.com können Sie nutzen, um nach SAP-zertifizierten Partnern zu filtern, nach Region, Partnerlevel (Gold, Platinum) und Lösungsschwerpunkt. Das gibt einen ersten Überblick über den Markt, bevor Sie Eignungskriterien festlegen, und hilft einzuschätzen, wie viele Bieter Ihre Anforderungen realistisch erfüllen können.

Für einen Überblick über vergangene SAP-Ausschreibungen im öffentlichen Sektor, typische Auftragsvolumina, Laufzeiten und Vergabeverfahren lohnt sich ein Blick in unser Vergabe-Archiv. Dort finden Sie dokumentierte SAP-Ausschreibungen mit Filteroptionen nach Bundesland, Auftraggeber-Typ und Vergabejahr.

Das Leistungsverzeichnis: Was hinein muss

Das Leistungsverzeichnis ist das Herzstück der Vergabeunterlagen. Es entscheidet über Vergleichbarkeit der Angebote, Vollständigkeit der späteren Leistung und Basis für Nachtragsverhandlungen. Folgende Positionen sollten in jeder SAP-S/4HANA-Ausschreibung enthalten sein:

Pflichtpositionen Implementierung
  • Projektleitung und Steuerung
  • Fachkonzeption je Modul
  • Systemkonfiguration und Customizing
  • Entwicklungsleistungen (Z-Objekte, Schnittstellen)
  • Datenmigration (Konzept, Durchführung, Validierung)
  • Test-Management (Unit, Integration, UAT)
  • Schulung (Key-User und End-User)
  • Hypercare nach Go-Live (mind. 3 Monate)
Pflichtpositionen Betrieb (AMS)
  • Second-Level-Support (Reaktions-SLAs definieren)
  • Basis-Betrieb (falls nicht intern)
  • Release-Management und Upgrades
  • Monitoring und Incident-Handling
  • Berichts- und Auswertungsservice
  • Optionale Weiterentwicklungsbudgets
Qualitative Anforderungen
  • Projektmethodik (SAP Activate oder vergleichbar)
  • Qualitätssicherungskonzept
  • Risikomanagement-Ansatz
  • Kommunikationskonzept (Lenkungsausschuss, Jour Fixe)
  • Eskalationsprozess
  • Wissenstransfer an interne Mitarbeitende

Zuschlagskriterien und Gewichtung: Ein reiner Preiswettbewerb ist bei SAP-Projekten nicht sinnvoll. In Projekten, die wir begleitet haben, hat sich eine Gewichtung von 40 bis 50 Prozent Qualität und 50 bis 60 Prozent Preis bewährt. Qualitätskriterien können sein: Konzeptqualität des Implementierungsansatzes, Besetzung des Projektteams, spezifische Erfahrung der vorgesehenen Projektleitung, Qualität des Schulungskonzepts.

Vergleichswerte aus dem Vergabe-Archiv nutzen

Im IT-LV Vergabe-Archiv finden Sie dokumentierte SAP-Ausschreibungen mit Informationen zu Laufzeiten, Verfahrensarten und Auftraggeber-Typen. Diese Vergleichswerte helfen bei der Kostenschätzung für den Haushalt und bei der Einschätzung, welche Vertragslaufzeiten marktüblich sind.

Typische Fehler bei SAP-S/4HANA-Ausschreibungen

Aus Projekten, die wir begleitet haben, und aus der Analyse vergangener Ausschreibungen lassen sich wiederkehrende Fehler identifizieren. Wer sie kennt, kann sie vermeiden.

01
Go-Live-Termin als fixes Vertragsdatum
Ein vertraglich fixierter Go-Live-Termin ohne Puffer erzeugt enormen Druck in der Schlussphase. Erfahrungsgemäß werden dann Testphasen verkürzt, Schulungen reduziert und Datenmigrationsprobleme unter Zeitdruck "gelöst" statt beseitigt.
Besser: Einen realistischen Zieltermin vereinbaren, aber Pufferphasen und klar definierte Go-Live-Kriterien (Testabdeckung, offene Fehler-Kategorien) in den Vertrag aufnehmen. Ein misslungener Go-Live kostet mehr als ein verschobener.
02
Personalrat nicht eingebunden
Der Personalrat oder Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht bei der Einführung technischer Einrichtungen, die Verhalten und Leistung der Beschäftigten überwachen können. SAP-Systeme erfüllen dieses Merkmal. Wer die Einbindung vergisst, riskiert eine Anfechtung oder Projektverzögerung durch Mitbestimmungsverfahren mitten in der Implementierung.
Besser: Den Personalrat oder Betriebsrat bereits in der Bedarfsplanung einbinden, vor der Vergabe. Eine Dienstvereinbarung zur Systemnutzung parallel zur Ausschreibung vorbereiten.
03
Lizenzen und Implementierung in einem Los gebündelt
Wenn SAP-Lizenzen und Implementierungsleistungen in einem einzigen Los ausgeschrieben werden, schränkt das den Bieterkreis auf Unternehmen ein, die beides anbieten können. Viele spezialisierte SAP-Implementierungspartner haben keinen Reseller-Status für SAP-Lizenzen.
Besser: Lizenzen entweder separat beschaffen (z.B. über bestehende Rahmenverträge) oder explizit als Subauftragnehmer-Leistung in der Ausschreibung definieren, damit reine Implementierungspartner nicht ausgeschlossen werden.
04
Kein Wissenstransfer vereinbart
Ohne vertragliche Regelung zum Wissenstransfer entsteht eine Abhängigkeit vom Implementierungspartner, die auch nach Projektabschluss fortbesteht. Key-User wissen nicht, wie das System konfiguriert wurde, und jede Änderung erfordert externe Unterstützung.
Besser: Wissenstransfer als Pflichtbestandteil der Hypercare-Phase definieren: dokumentierte Konfiguration, Schulung interner Administratoren, Übergabe aller Entwicklungsdokumentationen und ein definiertes Abnahmekriterium für diesen Transfer.
05
Zu enger Zeitplan für das Vergabeverfahren
Ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb dauert realistisch sechs bis zwölf Monate. Wer das Verfahren erst im zweiten Halbjahr 2027 startet, kann keinen vertragskonformen Go-Live vor dem Wartungsende garantieren. Spätestens im dritten Quartal 2026 sollte die Bekanntmachung veröffentlicht sein.
Besser: Mit der internen Vorbereitung (Anforderungserhebung, Vorabinformation, Vergaberechtsprüfung) mindestens zwölf Monate vor dem geplanten Veröffentlichungsdatum beginnen.
06
Schnittstellen im Scope vergessen
Die Anbindung von Fachanwendungen an das neue SAP-System wird häufig unterschätzt oder schlicht vergessen. Drittsysteme (Zeiterfassung, Dokumentenmanagement, Melderegister, Kasse) müssen explizit im Scope adressiert sein, inklusive Verantwortlichkeit für die Schnittstellenentwicklung.
Besser: Vor der Leistungsbeschreibung eine vollständige Schnittstellenlandkarte erstellen. Für jede Schnittstelle: Verantwortung (Auftragnehmer, Drittanbieter oder intern), Format, Übergabepunkt und Testverantwortung klar definieren.
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8 Folien · 16:9 · Vergabeverfahren, Checklisten, LV-Pflichtpositionen

Quellen

  1. SAVIC Technologies: "SAP ECC End of Mainstream Maintenance 2027", savictech.com, 2024.
  2. BDO: "SAP S/4HANA Migration Timelines and Audit Readiness", bdo.com, 2024.
  3. Bundesministerium der Justiz: "§ 17 VgV: Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb", gesetze-im-internet.de.
  4. Staatsanzeiger Vergabe: "Aktuelle Schwellenwerte im Vergaberecht 2024/2025", ausschreibungen.staatsanzeiger.de.
  5. SAP SE: "SAP Partner Finder: Zertifizierte SAP-Partner weltweit", partnerfinder.sap.com.
  6. Grant Thornton: "SAP Activate als strukturierter Leitfaden für den öffentlichen Sektor", grantthornton.de, 2026.
Inhalt
Warum jetzt handeln? Was wird ausgeschrieben? Vergabeverfahren Abteilungen einbinden Legacy-Workflows Bestehender Partner Das Leistungsverzeichnis Typische Fehler

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