


Die Beschaffung, der Aufbau oder die Erweiterung eines Rechenzentrums gehört zu den komplexesten und kostenintensivsten IT-Infrastrukturprojekten im öffentlichen Sektor. Behörden, Kommunen und KRITIS-Betreiber müssen dabei nicht nur technische Anforderungen an Serverräume, Stromversorgung und Kühlung präzise beschreiben, sondern auch normative Vorgaben aus BSI IT-Grundschutz INF.2, DIN EN 50600 und den Vorgaben des NIS2-Umsetzungsgesetzes berücksichtigen. Ein professionelles Leistungsverzeichnis schafft die vergaberechtliche Grundlage für einen belastbaren Angebotsvergleich und schützt den Auftraggeber vor kostenträchtigen Nachträgen.
Unser Muster-LV für Rechenzentrum-Infrastruktur wurde auf Basis realer öffentlicher Ausschreibungen entwickelt und deckt alle wesentlichen Gewerke ab: physische Infrastruktur und Raumkonzept, redundante Stromversorgung mit USV und Netzersatzanlage, Präzisionsklimatisierung und Kältesysteme, strukturierte Verkabelung und Netzwerkanbindung sowie Gebäudemanagement, physische Sicherheit und Betriebsmonitoring. Für vergleichbare Ausschreibungsunterlagen aus dem öffentlichen Sektor steht das Vergabe-Archiv zur Verfügung.
Die Grundlage eines betriebssicheren Rechenzentrums ist ein normkonformes Raumkonzept. In öffentlichen Ausschreibungen fehlen häufig präzise Anforderungen an die Verfügbarkeitsklassen nach DIN EN 50600, obwohl diese die wesentliche Grundlage für Redundanzarchitektur und Gesamtkosten bilden. Unser Abschnitt A enthält verbindliche Anforderungen an die Ausführungsplanung für Serverraum und Technikräume nach Verfügbarkeitsklasse VK-2 oder VK-3, einschließlich Bodentraglasten (mindestens 10 kN/m²), lichter Raumhöhe, Zugangszonenkonzept mit Cold-Aisle/Hot-Aisle-Containment sowie ESD-konformem Doppelboden.
Brandschutzanforderungen sind als kritische Pflichtanforderungen hinterlegt: Gaslöschanlage nach DIN EN 15004 oder Sauerstoffreduzierungsanlage, Früherkennung durch Ansaugrauchmelder (VESDA), brandabschnittsbildende Ausführung der Raumhülle sowie Brandlastbegrenzung im Serverraum. Anforderungen an die physische Zugangskontrolle mit biometrischer Absicherung, Videoüberwachung und Protokollierung aller Zutrittsversuche gemäß BSI IT-Grundschutz INF.2 sind als Mindestanforderungen spezifiziert.
Stromversorgungsausfälle sind die häufigste Ursache ungeplanter Rechenzentrumsausfälle. In öffentlichen Vergaben werden die Anforderungen an Redundanzarchitektur, Batteriepufferzeit und Dieselvorräte oft unpräzise formuliert, was zu erheblichen Unterschieden in den eingereichten Angeboten führt. Unser Abschnitt B verankert verbindliche Anforderungen an eine redundante Stromversorgung in 2N-Architektur für kritische Serverleistung, eine USV-Anlage mit mindestens 15 Minuten Pufferzeit bei Volllast sowie eine Netzersatzanlage (NEA) mit automatischem Start und ausreichend Kraftstoffvorrat für 72 Stunden Betrieb.
Anforderungen an das Energiemanagementsystem umfassen kontinuierliches PUE-Monitoring (Ziel-PUE kleiner als 1,5), Lastmanagement und Blindstromkompensation. Regelmäßige Lastschaltübungen für die NEA und Dokumentation der Wartungsintervalle nach Herstellervorgaben sowie DGUV-Vorschrift 3 sind als Pflichtnachweis spezifiziert. Für KRITIS-Betreiber enthält das Leistungsverzeichnis erweiterte Anforderungen an die Einspeisung aus zwei unabhängigen Netzsträngen des Energieversorgers.
Die Präzisionsklimatisierung ist nach der Stromversorgung der zweite kritische Infrastrukturbereich in Rechenzentren. Unser Abschnitt C enthält verbindliche Anforderungen an Precision-Air-Conditioning-Einheiten (PAC) in N+1-Redundanz, Einhalten der ASHRAE A2-Empfehlungen für Zulufttemperatur (18–27 °C) und Luftfeuchtigkeit (20–80 % relF, nicht kondensierend) sowie einen vollständigen Airflow-Management-Plan mit Cold-Aisle-Containment zur Vermeidung von Wärmerückstrom.
Umweltmonitoring-Anforderungen umfassen Temperatursensoren in jeder Kühlzone, Wasserdetektion unterhalb des Doppelbodens, Feuchtigkeits- und Partikelmessung sowie die Integration aller Umgebungsdaten in das übergeordnete DCIM-System (Data Center Infrastructure Management). Bei Überschreitung definierter Schwellenwerte muss ein automatisches Alarmierungssystem mit Eskalationskette ausgelöst werden. Anforderungen an freie Kühlung (Free Cooling) bei geeigneten Außentemperaturen sind als Sollanforderung zur Energieeffizienz hinterlegt.
Ein Rechenzentrum ohne lückenloses Monitoring und redundante Netzwerkanbindung ist kein professionell betriebenes Rechenzentrum. Unser Abschnitt D verankert Anforderungen an eine strukturierte Verkabelung nach DIN EN 50173 in Glasfaser (OS2 für LWL, Cat.6A für Kupfer), redundante Uplink-Anbindung über zwei physisch getrennte Trassen sowie einen Out-of-Band-Managementzugang für alle kritischen Infrastrukturkomponenten. Die Netzwerktrennung zwischen Produktions-, Management- und OOB-Netz ist als Pflichtarchitektur hinterlegt.
Das Betriebsmonitoring muss alle Infrastrukturkomponenten in einem DCIM-System zusammenführen: Strombedarf je Rack, USV-Status, Klimaparameter, Türkontakte und Videoüberwachung. Anforderungen an SLA-Dokumentation, Betriebshandbücher, Übergabe an den internen Betrieb sowie jährliche Infrastrukturaudits durch einen unabhängigen Sachverständigen schließen den Leistungsumfang ab. Für KRITIS-Betreiber sind erweiterte Anforderungen an das Business-Continuity-Management und Notfallübungen als Pflichtleistungen aufgenommen.
Quellen
| Format | Microsoft Excel (.xlsx) |
| Umfang | mehr als 120 Leistungspositionen |
| Sprache | Deutsch |
| Vergaberecht | GWB, VgV, UVgO konform |
| Normen | BSI IT-Grundschutz INF.2, DIN EN 50600, ASHRAE A2, NIS2 |
| Stand | 2026 (regelmäßige Revision) |
| Lieferung | Innerhalb von 5 Werktagen nach Zahlung |
| Nutzungsrecht | Einfach, für eigene Organisation |
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