


Dynamische Fahrgastinformation ist der sichtbarste Teil der ÖPNV-IT: Anzeiger an der Haltestelle, Ansagen im Fahrzeug, Auskunft in App und Web. Dahinter liegen das Rechnergestützte Betriebsleitsystem, die Echtzeitdatenversorgung und ein Geflecht von Schnittstellen, das die eigentliche Komplexität der Beschaffung ausmacht.
Im Vergabe-Archiv zählen wir 45 Verfahren in den 24 Monaten bis September 2026, davon 30 eigenständige Vergaben. Ausgeschrieben haben unter anderem die Stuttgarter Straßenbahnen (Erweiterung der Dynamischen Fahrgastinformation), die Berliner Verkehrsbetriebe (Lieferung, Einbau, Erweiterung und Betrieb einer akustischen Fahrgastinformation) und das Bundesministerium für Digitales und Verkehr für ein Projekt zur Optimierung der Datenflüsse.
Wir haben das Leistungsverzeichnis um die Datenversorgung herum gebaut. Ein Anzeiger ist austauschbar, die Qualität der Echtzeitdaten entscheidet darüber, ob Fahrgäste dem System vertrauen.
Der erste Abschnitt trennt sauber, was beschafft wird: Anzeiger an Haltestellen, Innenanzeiger und Ansagen im Fahrzeug, das Auskunftsangebot in App und Web sowie das Hintergrundsystem, das Soll- und Ist-Daten zusammenführt. Wir schreiben jede Ebene als eigene Positionsgruppe aus, damit Erweiterungen später ohne Neuvergabe möglich sind.
Ergänzend geregelt sind Betriebsverantwortung und Datenhoheit. Der Auftraggeber bleibt Eigentümer der Fahrplan-, Ist- und Störungsdaten und erhält sie in offenen Formaten. Das klingt selbstverständlich, ist es in laufenden Verträgen aber häufig nicht, sobald ein Anbieter das Hintergrundsystem betreibt.
Der Kern des Dokuments. Wir fordern die Anbindung an das Betriebsleitsystem über die etablierten VDV-Schnittstellen für Ist-Daten, die Bereitstellung in den europäischen Austauschformaten für Fahrplan- und Echtzeitdaten sowie die Weitergabe an die bundesweite Datenplattform, über die multimodale Reiseinformationsdienste versorgt werden[1][2].
Dazu kommen messbare Qualitätsanforderungen: Aktualisierungsintervall der Prognose, maximale Abweichung zwischen Anzeige und tatsächlicher Abfahrt, Umgang mit Ausfällen und Umleitungen sowie ein monatlicher Qualitätsbericht. Ohne diese Kennzahlen ist die Datenqualität nach Zuschlag nicht mehr durchsetzbar. Die deutschlandweite Fahrplanauskunft und die Datenplattform des Bundes sind als Zielsysteme benannt[3].
Der Nahverkehrsplan hat das Ziel einer vollständigen Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr[4], und die Fahrgastinformation ist der Teil, der dieses Ziel am unmittelbarsten berührt. Wir schreiben das Zwei-Sinne-Prinzip verbindlich aus: Jede visuelle Information muss auch akustisch verfügbar sein, auf Anforderung über eine Taste am Anzeiger oder per Funk.
Ergänzend fordern wir Anforderungen an Kontrast, Schriftgröße und Ablesewinkel, verständliche Sprachausgabe mit Aussprachekorrektur für lokale Haltestellennamen sowie barrierefreie Apps und Webauskunft. Für die digitale Seite passt unser Muster-LV zur digitalen Barrierefreiheit unmittelbar an dieses Dokument an.
Die Hardwarepositionen umfassen Anzeigerklassen nach Zeilenzahl und Bauform, Schutzart gegen Witterung und Vandalismus, Energieversorgung einschließlich Solarbetrieb an nicht erschlossenen Haltestellen und die Mobilfunkanbindung mit Angabe der Datentarife. Jede Position wird mit Stückpreis und Montagepreis ausgeschrieben.
Die Instandhaltung regeln wir mit Reaktionszeiten vor Ort, unterschieden nach Einzelausfall und Sammelstörung, dazu Ersatzteilverfügbarkeit über die geplante Nutzungsdauer und ein Vorhaltekontingent an Austauschgeräten. Anzeiger stehen zehn Jahre und länger, deshalb ist die zugesagte Ersatzteilversorgung wichtiger als der Anschaffungspreis.
Für den Betrieb definiert das Leistungsverzeichnis die Verfügbarkeit je Anzeiger und für das Hintergrundsystem, Wartungsfenster außerhalb der Verkehrszeiten, Monitoring mit automatischer Störungsmeldung und ein Berichtswesen, das Ausfälle je Standort ausweist. Wer die Verfügbarkeit nur für das Gesamtsystem misst, erfährt nie, dass ein einzelner Anzeiger seit Monaten dunkel ist.
Das Preisblatt trennt Hardware je Stück, Montage je Standort, Software und Lizenzen, Datenversorgung sowie die jährliche Instandhaltungspauschale. Optionen für weitere Ausbaustufen werden mit Preisbindung ausgeschrieben, damit der Ausbau in den Folgejahren kalkulierbar bleibt. Für den anschließenden Pflegevertrag passt unser Muster-LV Softwarepflege und Support.
Quellen
| Format | Microsoft Excel (.xlsx) + PDF |
| Umfang | mehr als 80 Leistungspositionen |
| Sprache | Deutsch |
| Vergaberecht | GWB, VgV, UVgO, SektVO konform |
| Standards | VDV-Schnittstellen, NeTEx, SIRI, DELFI, PBefG |
| Stand | 2026 (regelmäßige Revision) |
| Lieferung | Lieferung in 5 Werktagen |
Sie haben Fragen?