Was ist ein Leistungsverzeichnis für PACS und VNA?

Ein Picture Archiving and Communication System speichert, verteilt und zeigt medizinische Bilddaten, ein Vendor Neutral Archive löst dieselbe Aufgabe herstellerunabhängig und über Fachbereichsgrenzen hinweg. Beschafft wird beides fast immer zusammen, weil Häuser die Bildbestände aus Radiologie, Kardiologie, Endoskopie und Pathologie nicht länger in getrennten Silos halten wollen.

Wie regelmäßig das ausgeschrieben wird, sehen wir im Vergabe-Archiv: In den 24 Monaten bis September 2026 haben unter anderem das Universitätsklinikum Essen (Picture Archiving and Communication System PACS, Februar 2025), das Universitätsklinikum Heidelberg (Beschaffung und Implementierung eines Enterprise PACS, April 2025), das Klinikum Dortmund (VNA mit integriertem PACS, Dezember 2024), die München Klinik (RIS/PACS-System, Dezember 2024) und das Klinikum Magdeburg entsprechende Verfahren veröffentlicht. Insgesamt zählen wir in diesem Zeitraum 33 Verfahren, davon 18 eigenständige Vergaben.

Wir haben dieses Leistungsverzeichnis so geschnitten, dass es beide Beschaffungswege trägt: das reine PACS für ein Haus und die VNA-Konsolidierung für einen Verbund. Ein optionales RIS-Modul liegt bei, weil ein Teil der Häuser wie die München Klinik oder das Städtische Klinikum Karlsruhe RIS und PACS in einem Verfahren vergibt.

Für wen geeignet?

Universitätskliniken
Kommunale Krankenhäuser
Klinikverbünde & MVZ
Landkreise als Klinikträger
KRITIS-Kliniken
Bundeswehr- & Landeskliniken

Leistungsumfang des Muster-LV PACS und VNA

Funktionaler Kern: PACS, VNA & optionales RIS

Der erste Block beschreibt die Funktionen, die ohne Diskussion vorhanden sein müssen: Bildempfang von den Modalitäten, Verteilung an Befundung und Fachabteilungen, Viewer für den klinischen Arbeitsplatz und ein Webviewer ohne lokale Installation. Der VNA-Teil ergänzt die herstellerneutrale Ablage, die Mandantenfähigkeit für mehrere Standorte und die Frage, welche Fachbereiche in welcher Reihenfolge konsolidiert werden.

Das RIS-Modul liegt als optionale Position bei und wird im Preisblatt getrennt ausgewiesen. Wir haben das bewusst so gelöst, weil Häuser wie die München Klinik RIS und PACS gemeinsam vergeben, während das Städtische Klinikum Karlsruhe das RIS im Dezember 2024 als eigenständige Ersatzbeschaffung mit Betrieb ausgeschrieben hat. Beides lässt sich mit demselben Dokument abbilden, ohne dass Sie Positionen streichen müssen.

Schnittstellen & Standards

Herstellerneutralität ist bei Bilddaten kein Prinzip, sondern eine Preisfrage: Wer die Standards nicht verbindlich fordert, zahlt sie später als Schnittstellenprojekt. Das Leistungsverzeichnis fordert deshalb DICOM als Basis[3], HL7 für die Kommunikation mit KIS und RIS und die einschlägigen IHE-Profile des Radiology Technical Framework, insbesondere Scheduled Workflow und Cross-Enterprise Document Sharing for Imaging[4].

Zusätzlich verlangen wir eine tabellarische Schnittstellenliste mit Richtung, Protokoll und Verantwortlichkeit sowie die Zusage, dass Schnittstellen zu Drittsystemen ohne gesonderte Lizenzkosten bereitstehen. Genau daran scheitern Konsolidierungsprojekte: Das VNA ist beschafft, aber jede Anbindung eines weiteren Fachbereichs wird einzeln bepreist.

Migration der Altbestände

Die Migration ist der Teil, der Projekte kippt. Unser Leistungsverzeichnis verlangt ein Mengengerüst des Auftraggebers in Studien, Objekten und Terabyte, dazu vom Bieter ein verbindliches Migrationsverfahren, eine Migrationsdauer, ein Verifikationskonzept mit Stichprobenumfang und einen Umgang mit fehlerhaften oder unvollständigen Altdatensätzen.

Der Preis der Migration gehört ins Preisblatt und nicht in eine Aufwandsschätzung nach Zuschlag: Wir schreiben ihn als Preis je Terabyte und als Pauschale aus, damit beide Angebotsformen vergleichbar bleiben. Ergänzt wird das durch Regelungen zum Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem und zur Abschaltung des Altsystems erst nach erfolgreicher Verifikation.

Befundung & Bildwiedergabe

Für die Befundung beschreibt das Leistungsverzeichnis Arbeitsplätze, Hängungen, Vorbefundanzeige, Werkzeuge für Messungen sowie die maximal zulässigen Ladezeiten großer Serien, gemessen an einem definierten Referenzfall. Die Bildwiedergabegeräte werden nach DIN 6868-157 gefordert, inklusive Abnahme- und Konstanzprüfung und der Zuordnung, wer diese Prüfungen durchführt und dokumentiert.

Dass dieser Punkt eigenständig ausgeschrieben wird, zeigt das Klinikum Fulda, das im Juni 2025 Befundungsmonitore und Grafikkarten für die Pathologie separat vergeben hat. Wer die Anforderungen im PACS-Verfahren vergisst, beschafft die Monitore hinterher zum Einzelpreis. Standortübergreifende Befundung, wie sie der Klinikverbund Südwest ausgeschrieben hat, ist als eigene Positionsgruppe enthalten.

Archivierung, Fristen, Betrieb & Exit

Die Aufbewahrung richtet sich nicht nach dem Speicherkonzept des Anbieters, sondern nach dem Gesetz. Die Behandlungsakte ist zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren[1]. Für die Anwendung ionisierender Strahlung gelten eigene Fristen: dreißig Jahre für Aufzeichnungen und Bilddaten aus Behandlungen, zehn Jahre bei Untersuchungen volljähriger Personen und bei Minderjährigen bis zur Vollendung des 28. Lebensjahres[2]. Das Leistungsverzeichnis übersetzt diese Fristen in Anforderungen an Aufbewahrung, Löschkonzept und revisionssichere Protokollierung.

Betrieb, Verfügbarkeit, Wartungsfenster und Support runden das Dokument ab, ebenso der Exit: Rückgabe der Bilddaten im Standardformat, Übergabe der Metadaten und ein bepreistes Exit-Paket. Für Häuser, die als kritische Anlage gelten, verzahnt sich das mit unserem Muster-LV zum System zur Angriffserkennung, und für den laufenden Pflegevertrag mit dem Muster-LV Softwarepflege und Support.

Quellen

  1. Bundesamt für Justiz: „§ 630f BGB: Dokumentation der Behandlung“, Absatz 3, gesetze-im-internet.de.
  2. Bundesamt für Justiz: „§ 85 StrlSchG: Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten“, gesetze-im-internet.de.
  3. DICOM Standards Committee: „DICOM: Digital Imaging and Communications in Medicine“, dicomstandard.org.
  4. IHE International: „Radiology Technical Framework, IHE-Profile“, profiles.ihe.net.

Technische Details

FormatMicrosoft Excel (.xlsx) + PDF
Umfangmehr als 80 Leistungspositionen
SpracheDeutsch
VergaberechtGWB, VgV, UVgO konform
StandardsDICOM, HL7 / FHIR, IHE (SWF, XDS-I), DIN 6868-157
Stand2026 (regelmäßige Revision)
LieferungLieferung in 5 Werktagen
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