


Das KIS ist das zentrale Primärsystem eines Krankenhauses und damit die teuerste und langlebigste IT-Entscheidung, die ein Haus trifft. Ausgeschrieben wird es selten, oft nur alle zehn bis fünfzehn Jahre, und genau deshalb fehlt in den meisten Häusern die Routine für ein belastbares Leistungsverzeichnis.
Im Vergabe-Archiv sehen wir das Thema stabil: 57 Verfahren in den 24 Monaten bis September 2026, davon 36 eigenständige Vergaben, mit 30 Verfahren in 2024 und 33 in 2025. Ausgeschrieben haben unter anderem das Herzogin Elisabeth Hospital (Ergänzung des KIS um zusätzliche Module, Oktober 2024), DIAKOVERE (Erweiterung KIS, Dezember 2024), ein Eigenbetrieb Kliniken eines Landkreises (Beschaffung des KIS CLINIXX, Dezember 2024) und Asklepios Kliniken Hamburg (M-KIS Server, Oktober 2024).
Wie schwer die Vorbereitung wiegt, zeigt ein Verfahren des Klinikums der Landeshauptstadt Stuttgart aus dem September 2024: Dort wurde eigens Unterstützung für die Vorbereitung der KIS-Ausschreibung beschafft. Unser Muster-LV setzt genau an dieser Stelle an und liefert die Struktur, die sonst extern eingekauft wird.
Der erste Abschnitt legt fest, was zum Kernsystem gehört und was als Subsystem angebunden wird: Patientenverwaltung und Fallführung, klinische Dokumentation, Medikation, Leistungsanforderung und Befundrückmeldung, Abrechnung nach DRG sowie Pflegedokumentation. Fachmodule für OP, Intensiv, Notaufnahme, Onkologie und Geburtshilfe stehen als getrennt bepreisbare Positionen daneben.
Diese Trennung ist der Hebel für den Wettbewerb. Wer das gesamte Haus als ein Paket ausschreibt, bekommt zwei oder drei Angebote von Anbietern, die alles liefern. Wer den Kern sauber vom Subsystem trennt und die Schnittstellen verbindlich fordert, öffnet das Verfahren für spezialisierte Anbieter und behält die Wahl beim nächsten Modulwechsel. Die Beispiele aus dem Archiv zeigen beide Wege: Erweiterungen um einzelne Module ebenso wie die Komplettbeschaffung.
Das ist der Abschnitt, der ein KIS-LV von 2026 von einem aus 2018 unterscheidet. Für informationstechnische Systeme in Krankenhäusern gilt die Vorgabe des § 373 SGB V, und die gematik führt dazu ein Bestätigungsverfahren für ISiK durch, das für zentrale Primärsysteme verpflichtend ist[1][2]. Wir fordern die gültige ISiK-Bestätigung des Bieters deshalb als Eignungsnachweis und nicht als Absichtserklärung im Angebotstext.
Dazu kommen die Anbindung an die Telematikinfrastruktur, der Umgang mit der elektronischen Patientenakte sowie eine tabellarische Schnittstellenliste zu PACS, RIS, Labor, Apotheke und Medizintechnik. Wenn Sie die Bildseite parallel beschaffen, greift unser Muster-LV zu PACS und VNA direkt an diese Schnittstellenliste an.
Ein KIS-Wechsel ist ein Migrationsprojekt mit Patientenbezug, kein Software-Rollout. Das Leistungsverzeichnis fordert deshalb ein Migrationskonzept mit Mengengerüst, die Übernahme von Alt- und Archivdaten, die revisionssichere Ablage der nicht migrierten Bestände, ein Schulungskonzept nach Berufsgruppen und ein Go-Live-Szenario mit definierter Rückfallebene.
Wir schreiben zusätzlich die Verfügbarkeit der Schlüsselpersonen des Auftragnehmers aus, benannt mit Rolle und Verfügbarkeitsgrad, weil in KIS-Projekten regelmäßig andere Köpfe erscheinen als im Angebot präsentiert. Der Einführungsaufwand gehört als Festpreis ins Preisblatt, Änderungen laufen über ein geregeltes Change-Verfahren.
Für den Betrieb definiert das Leistungsverzeichnis Verfügbarkeitsklassen, Wartungsfenster außerhalb der Kernzeiten, Reaktions- und Wiederherstellungszeiten sowie ein Notfallkonzept für den Ausfall des KIS, inklusive Notfallzugriff auf die aktuelle Patientendokumentation. Der Ausfall eines KIS ist ein Betriebsereignis mit Patientenrelevanz, das gehört in die Leistungsbeschreibung und nicht in eine Anlage.
Häuser, die die Schwellenwerte der BSI-KritisV überschreiten, gelten als kritische Anlage und unterliegen den besonderen Anforderungen des § 31 BSIG, einschließlich der Pflicht zum Einsatz von Systemen zur Angriffserkennung[3][4]. Wir fordern dazu passende Nachweise vom KIS-Anbieter, etwa zur Protokollierung und zu Schnittstellen für die Angriffserkennung. Das zugehörige Dokument ist unser Muster-LV zum System zur Angriffserkennung.
Das Preisblatt trennt vier Blöcke: Lizenz oder Miete beziehungsweise Nutzungsüberlassung als Service, das Einführungsprojekt zum Festpreis, die jährliche Pflege in Prozent der Lizenzsumme und Tagessätze für Zusatzleistungen. Mengengerüst sind Betten, Fälle und benannte Nutzer, damit die Angebote überhaupt vergleichbar werden.
Über eine Laufzeit von zehn Jahren entscheidet die Preisanpassungsklausel mehr über die Gesamtkosten als der Angebotspreis, deshalb ist sie eine eigene Position mit Deckelung. Für den anschließenden Pflege- und Supportvertrag passt unser Muster-LV Softwarepflege und Support unmittelbar an dieses Dokument an.
Quellen
| Format | Microsoft Excel (.xlsx) + PDF |
| Umfang | mehr als 120 Leistungspositionen |
| Sprache | Deutsch |
| Vergaberecht | GWB, VgV, UVgO konform |
| Standards | ISiK / § 373 SGB V, HL7 FHIR, TI, BSI-KritisV |
| Stand | 2026 (regelmäßige Revision) |
| Lieferung | Lieferung in 5 Werktagen |
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